Selbstempathie als Teil des empathischen Abgrenzens

Kannst du dir selbst wie einem guten Freund begegnen? Oder fällt dir das oft schwer?

Eine Mischung aus prägenden Erfahrungen, individuellen Persönlichkeitseigenschaften und menschlichen Grundängsten kann dafür sorgen, dass wir uns nur schwer abgrenzen können. Dauerhafter Stress, Konflikte und Überforderung sind häufig die Folge.

Zum gesunden Abgrenzen und zum Reduzieren von Leid und Ängsten gehört eine ordentliche Portion Selbstmitgefühl. Die können wir aber nur mit einer guten Selbstwahrnehmung entwickeln. Beides ist eine Frage der Übung.

In meinen Coachings und Workshops beobachte ich immer wieder, dass Selbstannahme und Selbstmitgefühl die größten „Baustellen“ sind. Weswegen ich dieses Thema gezielt in meine Arbeit mit einfließen lasse.

Inhalt

Was ist Selbstempathie?

So hilft Selbstempathie

Selbstempathie durch Coaching stärken

Ablauf eines Selbstempathie-Coachings

Fazit

Was ist Selbstempathie?

Selbstempathie ist die verständnisvolle und mitfühlende Haltung, die du dir selbst gegenüber einnimmst. Dafür ist es wichtig, dass du dich selbst – deine eigenen Gefühle, Gedanken und Verhaltensweisen – annehmen, verstehen und einordnen kannst. Was dann zu einem mitfühlenden Umgang mit dir selbst führt.

Wobei dieses Verstehen nicht auf das bewusste und rationale Verstehen begrenzt ist, sondern auch das intuitive, automatische Einordnen und Reagieren meint. Das heißt, du kannst auch dann selbstmitfühlend und verständnisvoll sein, wenn du nicht direkt rational versteht, warum du z.B. gerade emotional überreagiert hast.

Ich verwende die Begriffe „Selbstmitgefühl“ und „Selbstempathie“ übrigens synonym. Bei den Grundbegriffen „Empathie“ und „Mitgefühl“ gibt es zwar Unterschiede, die sich aber mit dem Selbstbezug wieder aufzulösen scheinen und deswegen an dieser Stelle nicht unbedingt tiefer beleuchtet werden müssen.

So hilft Selbstempathie

Wenn du achtsam und mitfühlend mit dir selbst umgehst, kannst du dich leichter aus stressenden Denk- und Verhaltensmustern befreien. Diese Muster dienten dir mal als Schutz. Sie waren also mal für etwas gut, werden in dieser Form von dir aber gar nicht mehr benötigt und sind, als einstige Lösung, inzwischen selbst zum Problem geworden.

Selbstempathie lässt die meisten deiner Probleme nicht einfach verschwinden (einige allerdings schon). Sie sorgt aber dafür, dass du diese mit einem gesunden Abstand betrachten kannst. Und das lässt dich handlungsfähig bleiben. Deine Emotionen schmerzen vielleicht noch, aber sie lähmen dich nicht mehr. Du kannst dich ihnen leichter zuwenden, um sie zu verarbeiten. Statt sie schnell wegzudrücken, indem du dich z.B. ablenkst und irgendeine vorschnelle Lösung wählst, die allerdings nur für den Moment funktioniert.

Mitgefühl und Verständnis für deine Situation und für deine Empfindungen geben dir eine sichere Basis, von der aus du auch schmerzhaften Empfindungen auf den Grund gehen und sie verändern kannst.

Selbstmitgefühl muss übrigens nicht in „Gefühlsduselei“ oder „Kitsch“ ausarten. Auch jemand, der z.B. eher weniger „weiche“ oder emotionale Worte wählt, kann Verständnis aufbringen und Mitgefühl für sich oder andere empfinden. Es ist okay, wenn du bist, wie du gerade bist! Pass alles immer so an, dass es für dich stimmt.

Selbstempathie durch Coaching stärken

Um die Selbstempathie und Selbstwahrnehmung zu trainieren, helfen – neben dem psychologischen Wissen und dem Kennen deiner persönlichen Stressmuster – gezielte Achtsamkeits- und Imaginationsübungen sowie Meditationen. Gleichzeitig helfen diese Übungen dabei, neue Denk- und Verhaltensmuster schneller zu festigen.

Deswegen stehen, je nach Coachingdauer und -ziel, genau solche Übungen im Vordergrund oder fließen am Rande mit ein. In einem Einzelcoaching wird jede Übung anschließend reflektiert. Immer auch im Bezug zu deinem Anliegen. Das heißt, wir schauen immer, wie es dir mit der Übung ging und wie du das, was sich an Bildern, Gedanken und Emotionen gezeigt hat, annehmen und da sein lassen konntest. Darauf aufbauend wählen wir dann die nächste Übung für dich aus.

In Workshops können wir nicht so individuell vorgehen. Aber auch hier folgen wir einem bestimmten Aufbau und ich leite dich zum anschließenden Reflektieren der Übungen an.

Dein Selbstmitgefühl mit Hilfe dieser Übungen zu entwickeln und zu festigen, sorgt unter anderem dafür, dass du

  • dir deine Körpersignale bewusst machst, und so unterbewusste Gefühls- und Gedankenmuster, die deine Entscheidungen und dein Verhalten steuern, leichter erkennen kannst.
  • deine Körperempfindungen bewusst verändern kannst, um dir selbst Sicherheit zu signalisieren.
  • Mitgefühl im eigenen Körper erlebst und durch Erfahrung lernst.
  • schmerzhafte Gefühle zulassen, sie annehmen und bewusst mit ihnen umgehen kannst.
  • die (oft unbewusste) Angst vor Veränderung leichter überwindest.
  • dich für neue Sichtweisen öffnest.

Ablauf eines Selbstempathie-Coachings

Das Entwickeln der Selbstempathie erfolgt über verschiedene Phasen. In einem (längeren) Coaching, das Selbstempathie stärker in den Fokus rückt, orientieren wir uns an folgenden Meilensteinen:

  • Phase 1: Wir beginnen mit einer schriftlichen Übung, bei der wir deinen Startpunkt festhalten und diesen dann aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten. Das dient dir als Grundlage zum Entwickeln von (Selbst-) Akzeptanz und zur Orientierung in unklaren oder schwierigen Momenten.
  • Phase 2: Wir trainieren deine Achtsamkeit und dein Körperbewusstsein.
  • Phase 3: Du lernst mit verschiedenen Übungen, wie du dir gegenüber eine wohlwollende Haltung einnehmen kannst. Außerdem geht es in dieser Phase darum, das Nervensystem zu beruhigen und Veränderungsprozesse zu verstehen. So ist es z.B. ganz wichtig, zu verinnerlichen, warum es immer mal wieder zu vermeintlichen „Rückfällen“ kommen kann und wie du damit umgehen kannst.
  • Phase 4: In dieser Phase vertiefen wir, wie du Schwierigkeiten und herausfordernde Gefühle gut bewältigen kannst. Auch Vergebung wird ein Thema sein.
  • Phase 5: Zum Schluss geht es darum, dass du deine Selbstempathie aufrechterhalten und in den Alltag integrieren kannst.
  • Parallel zu allen Phasen: Wir kümmern uns um deine aktuellen Herausforderungen und gestalten gleichzeitig langfristige Lösungen, die dir helfen, aus alten Stressmustern auszusteigen und dein damit verbundenes Problem zu lösen.

Wichtig zu wissen: Ein Coaching zur achtsamen Selbstwahrnehmung richtet sich in erster Linie an gesunde Menschen. Wurde bei dir eine psychische Erkrankung diagnostiziert, solltest du unbedingt ärztlich oder therapeutisch abklären, ob ein solches Coaching geeignet für dich ist.

Fazit

Ein wichtiger Teil des empathischen Abgrenzens ist Selbstempathie. Die wird allerdings oft von alten, inzwischen stressenden, Schutzstrategien überdeckt.

In einem Selbstempathie-Coaching geht es deswegen darum, diese alten, nicht mehr benötigten, Schutzmuster nach und nach zu deaktivieren. Das passiert vor allem übers Entwickeln und Festigen von Empathie, Mitgefühl und Verständnis – sich selbst aber auch anderen gegenüber.

Um die dafür benötigte Selbstwahrnehmung zu trainieren, helfen gezielte aufeinander aufbauende Achtsamkeits- und Imaginationsübungen sowie Meditationen. Gleichzeitig helfen diese Übungen dabei, neue Denk- und Verhaltensmuster schneller zu festigen.

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Das Selbstempathie-Coaching ist ein wesentlicher Teil des Jahrescoachings, bei dem wir uns 2x im Monat zu einer Online-Sitzung treffen. Zwischen den Terminen begleite ich dich nach Bedarf per E-Mail.

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Anett Enderlein - Psychologisches Coaching

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