Wie ich wurde, was ich bin: Mein Weg zum psychologischen E-Mail-Coach

Seit meiner Jugend interessiere ich mich für psychologische Zusammenhänge und Phänomene. Trotzdem bin ich erst über Umwege zum psychologischen Coaching gekommen. 

Und egal, ob ich Gute-Nacht-Geschichten für meinen kleinen Bruder schrieb, einfach nur meine Gedanken notierte oder meine Brieffreundschaften pflegte: Schreiben war schon immer mein „Kanal“ – und ist es noch. Auch, wenn ich inzwischen sehr gerne spreche.

Dabei war Sprechen lange Zeit alles andere als leicht für mich. Ich konnte es zwar gut, mochte es aber nicht. Denn ich bin nicht nur hochgradig introvertiert, sondern war bis vor einigen Jahren auch noch sehr schüchtern und extrem unsicher.

Hier ein kleiner, lange nicht vollständiger, Einblick in meinen Weg:

  • Anfang der 90er: Die Grundschule war zum Kotzen. Im wahrsten Sinne des Wortes – und im übertragenen. Auf Grund einer Nierenerkrankung musste ich Medikamente nehmen, von denen mir täglich dauerübel war. Und oft blieb es eben nicht nur bei der Übelkeit… Schlimmer als die Hänseleien der Mitschüler fand ich die ständige Schikane meiner Lehrerin: Regelmäßig musste ich mir anhören, ich sei zu dumm und könne alleine eh nichts richtig machen. Bekam ich eine gute Note, unterstellte sie mir Betrug…
  • 1997: Ich wechselte auf die weiterführende Schule. In Brandenburg dauert die Grundschule 6 Jahre. Nach dem Wechsel ging es mir deutlich besser. Die Nierenerkrankung war Geschichte. Die Unsicherheit ist allerdings geblieben. Trotzdem war es an sich eine schöne Zeit. Ich war Mitglied in zwei Tanzvereinen und hatte regelmäßig Bühnenauftritte – was dem Selbstvertrauen ganz gut tat. 
1998 im Ferienlager

1998 im Ferienlager: Fremde Menschen, fremde Orte. Sowas war immer herausfordernd. 😏

  • 2001: Abi oder Ausbildung? Ich musste mich entscheiden. Obwohl ich oft das Bild einer Psychologin im Kopf hatte, kam es mir nie in den Sinn, wenn es um die Frage nach dem Berufswunsch ging. Ich fand vieles interessant. Nur medizinisch musste es sein. Nach einigem Hin und Her hatte ich mich, ohne viel zu erwarten, auf zwei Ausbildungsplätze beworben: als Ergotherapeutin und als PTA. Von beiden Schulen bekam ich eine Zusage.
  • Oktober 2001: Ich begann meine PTA-Ausbildung. Meine Lehr-Apotheke hatte mich nach erfolgreichem Abschluss als Elternzeitvertretung übernommen. Ich liebte die Arbeit dort. Besonders das Beraten der Kunden – nachdem ich meine Panik davor ablegen konnte. Leider war das Vertretungsjahr irgendwann vorbei.
  • Juni 2005: Mein erster Arbeitstag in der pharmazeutischen Industrie. Mein erster Eindruck: Hier bleibe ich nicht! Das ist alles viel zu technisch, viel zu groß und viel zu unpersönlich. Aber als vorübergehende Lösung wird es schon gehen. Ich hätte nie gedacht, dass ich mich dann doch noch ganz wohl fühlen würde. Von der üblichen Lästerei und Meckerei mancher Personen mal abgesehen…
London 2007

London 2007, Tag der Abreise: Mein erster Urlaub mit einer Kollegin, die ziemlich schnell auch eine sehr gute Freundin wurde.

  • Oktober 2010: Ich hörte zum ersten Mal von Wirtschaftspsychologie. Bei einer Freundin sah ich die Visitenkarte eines Wirtschaftspsychologen. Als ich mich (leicht glühweingetränkt 😏) sowas sagen hörte wie „Das klingt ja spannend! Das kann ich doch auch, oder?“, meinte meine Freundin nur: „Kannste. Gibt’s als Fernstudium.“
    Der Gedanke ließ mich nicht mehr los.
  • Dezember 2010: Ich meldete mich zum Studium an. Ohne eine Idee davon zu haben, was ich mit dem Abschluss anfangen wollte. Und ohne mir überhaupt einen Abschluss zuzutrauen. Ich fand einfach nur das Thema wahnsinnig spannend. Zuerst dachte ich ja, dass ich ohne Abi oder Meisterausbildung gar nicht studieren könnte. Und dass ich außerdem meinen Job kündigen müsste. Denn auch im Fernstudium gab es Semesterbetrieb und verpflichtende Praktika, was mit dem Job damals einfach nicht vereinbar war. Dann fand ich aber die Europäische Fernhochschule Hamburg. Dort gab es nicht nur die Möglichkeit, über den dritten Bildungsweg zum Studium zu kommen, es gab auch keinen Semesterbetrieb. Ich war zeitlich total flexibel, auch was die Prüfungs- und Seminartermine vor Ort anging. 
  • Januar 2011: Ich war bei meinem ersten Seminar in Hamburg. Da saß ich also zwischen all den schlauen Menschen, die schon so viel mehr nachzuweisen hatten als ich. Ich fühlte mich wahnsinnig klein im Vergleich. Habe aber schnell gemerkt, dass ich gar nicht „schlechter“ bin als die anderen. Hier hab ich zum ersten Mal bewusst wahrgenommen, dass vieles von dem, was ich bisher über mich, andere und gewisse Umstände annahm, nicht unbedingt stimmen musste. 
  • Ende 2012: Studieren mit einem Baby, das nicht schläft. Ich bin zum ersten Mal Mama geworden, wurde mit ganz neuen Ängsten konfrontiert und musste irgendwie mit max. 1,5 Stunden Schlaf am Stück auskommen. Auch der Umzug von Dresden nach Pirna stand bevor. Aber all das war kein Grund mehr, zu sagen „Es geht nicht“. Ich habe gelernt, mich an diese besondere Situation anzupassen und mit dem Rhythmus meines Sohnes zu gehen. Routinen und Ansichten über Bord zu werfen, die mir hier nicht hilfreich waren. Wichtigste Erkenntnis: Es geht auch immer anders. Inzwischen war ich auch Mentorin für andere Studierende.
Studieren mit Baby

März 2013: Studieren mit Baby sah dann auch schon mal so aus. Es ging oft nur häppchenweise in wirklich winzigen Schritten voran.

  • August 2014: Der erste Schritt in Richtung Coaching. Ich war in Hamburg beim Seminar „Kommunikation & Konfliktmanagement“. Dort haben wir gelernt, wie wir mit Hilfe verschiedener Coaching-Techniken Konflikte lösen können. Ich war fasziniert davon, wie man anhand gezielter Fragen Schritt für Schritt Klarheit in eine verworrene und emotional belastende Situation bringen kann.
  • März 2015: Das Thema der Bachelorarbeit stand schnell fest: Ich wollte wissen, wie groß die Bereitschaft ist, an einem innerbetrieblichen Verfahren zur Konfliktlösung teilzunehmen. Und wodurch diese Bereitschaft beeinflusst wird. Denn nur, weil so tolle Mittel zur Verfügung stehen, heißt es ja nicht, dass sie auch angenommen werden. Glücklicherweise war zumindest die hypothetische Bereitschaft derer ziemlich hoch, die an meiner Untersuchung teilgenommen hatten. Im Juni 2015 beendete ich mein Studium erfolgreich und im August 2015 kam meine Tochter zur Welt.
  • August 2017: Zurück im Job. Mit Studien-Abschluss, anderem Nachnamen, neuer Adresse, zwei kleinen Kindern und deutlich mehr Selbstbewusstsein kam ich nach insgesamt 5 Jahren Elternzeit, 2 Umzügen und massig innerer Arbeit wieder zurück in den Job. Konflikte waren dort immer noch ein großes Thema. Nicht so groß war bei einigen Beteiligten die Bereitschaft, sie zu lösen.
Studieren mit Baby

Ostsee 2017 mit meiner Tochter

  • Winter 2017: Ich könnte ja bloggen. Ich fragte mich irgendwann, wie ich – auch außerhalb der Firma – vor allem diejenigen erreichen und stärken kann, die sich nicht nur beschweren, sondern auch was verändern wollen. Die offen für Lösungen sind. Die ein Interesse daran haben, sich selbst und andere besser zu verstehen. Auch um selbstbewusster mit so manchem blöden Spruch umgehen zu können. Die Idee eines Blogs formte sich. Und direkt danach kam der nächste Gedanke: Warum nur drüber schreiben? Warum nicht auch persönlich unterstützen und begleiten?
  • Februar 2018: Ich begann meine 2-jährige QCA-zertifizierte Coaching-Ausbildung. Wieder neben dem Job, aber diesmal mit einem klaren Ziel: Ich wollte mich nebenberuflich selbstständig machen. Wie genau das mal aussehen soll, wusste ich noch nicht. Ich wusste nur, dass ich auf jeden Fall den Basis-Teil der Ausbildung inkl. Praxis-Seminar durchlaufen haben wollte, bevor ich an den Start gehe.
Coaching-Seminar

Hier, im Taunus, fand das Praxis-Seminar der Basis-Ausbildung statt. Während eines Coaching-Spaziergangs mit meinem Übungspartner verliefen wir uns in einem der Wälder. 😄

  • Frühjahr 2018: Meine Coaching-Pläne wurden konkret. Neben den Recherchen, was ich alles beachten muss, wenn ich meine eigene Coaching-Praxis eröffne, stellte ich mir auch die Frage, wie ich überhaupt arbeiten möchte: Wenn ich es mir aussuchen könnte, am liebsten schriftlich. Per E-Mail. Darf man das? Kann ich das? Ein paar Recherchen und Konzepte später: Ich kann. Und ich werde. Schreiben ist so wirksam. So oder so hätte es in meiner Arbeit einen hohen Stellenwert bekommen. Und nun eben einen noch höheren.
  • Juni 2018: Ich beantragte meine nebenberufliche Selbstständigkeit. Normalerweise ist dieser Antrag beim Arbeitgeber reine Formsache. Ich wurde allerdings zum Gespräch ins HR-Büro gebeten. Meine Personalverantwortliche, eine Psychologin, glaubte nicht so recht an das Konzept des E-Mail-Coachings. Und im Laufe des Gesprächs begann ich selbst zu zweifeln: Ob meine Idee gut genug war? Ob ich gut genug war? Was hab ich mir nur dabei gedacht, einen solchen Schritt gehen zu wollen? Am Ende war ich total verunsichert, sie aber total überzeugt 😄. Sie bestärkte mich, es zu versuchen. Und ich eignete mir alles an, was ich brauchte, um eine Website zu erstellen.
  • Januar 2019: Ich gründete Menschenfieber. Coaching und Beratung erfolgte nebenberuflich und ausschließlich per E-Mail. Zum 30. Juni 2019 kündigte ich aus verschiedenen Gründen meine Anstellung. Ich baute meine Angebote aus und habe mich, nach Abschluss der Coaching-Ausbildung, 2 Jahre lang psychotherapeutisch weitergebildet. (Ich möchte nicht therapieren, finde aber gewisse Hintergründe auch fürs Coaching wichtig.)
  • Heute: E-Mail-Coachings machen den Hauptteil meiner Arbeit aus. Du kannst aber auch mit mir sprechen oder chatten. Das Herzstück von Menschenfieber ist momentan das Jahrescoaching. Hier fließt alles zusammen zum Thema „empathisch abgrenzen & zwischenmenschlichen Stress reduzieren“: In Webinaren vermittle ich psychologisches Hintergrundwissen, teile eigene Erfahrungen und leite Coaching-Übungen an. Zusätzlich begleite ich individuell per E-Mail. Wer weiß, ob ich ohne den Weg über die Pharmazie überhaupt zum Studium, und schließlich zum Coaching, gefunden hätte. Es war immer nur ein Einlassen auf den nächsten Schritt. Und ich bin gespannt, wie die Reise weitergeht…
Start des ersten Jahrescoachings

Dieses Bild entstand Anfang 2021 zum Start des ersten Jahrescoachings.

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Die ursprüngliche Idee des Bloggens hatte unter den ganzen Coaching-Weiterbildungs-Website-Selbstständigkeits-Themen ziemlich gelitten, bekommt seit einiger Zeit aber wieder deutlich mehr Aufmerksamkeit.

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Anett Enderlein

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Menschenfieber-Post: Empathisch abgrenzen & Stress reduzieren

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