Hast du oft das Gefühl, du kannst vieles ein bisschen, aber nichts richtig? Und hast du Angst, dass andere dich als Hochstapler entlarven könnten? In diesem Monatsimpuls gebe ich dir ein paar Fragen zum schriftlichen Reflektieren an die Hand. Das Thema ist sehr komplex. Diese Fragen können jedoch ein Anfang sein und dir helfen, mit deinem Gefühl der Unfähigkeit sowie der Angst, dass du auffliegen könntest, gesund umzugehen.
Dieser Blogartikel wurde im März 2023 zum ersten Mal veröffentlicht und im August 2025 aktualisiert.
Ich nutze Tarot als psychologisches Hilfsmittel, um ein monatliches Abgrenzungsthema mit passenden Reflexionsfragen auszuwählen. Wie du mit dem Monatsimpuls arbeiten und dir auch ein eigenes Bild der Karten machen kannst, habe ich dir in diesem Blogartikel beschrieben.
Inhalt
Die Karten als Grundlage für diesen Impuls
Gefühlte Unfähigkeit und die Angst, als Hochstapler entlarvt zu werden
Selbstzweifel als Teil des Weges verstehen
Alte Wunden erkennen, damit sie dich nicht ausbremsen
Fazit: Warum du deine Fähigkeiten schon heute nutzen darfst
Die Karten als Grundlage für diesen Impuls
Hier ein Foto der Legung, falls du dir ein eigenes Bild machen oder einfach nachvollziehen möchtest, wie ich auf die aktuellen Impulse komme.
Der Magier, Der Wagen, 9 der Stäbe
Gefühlte Unfähigkeit und die Angst, als Hochstapler entlarvt zu werden
Ich hab den Magier (Karte 1) gesehen und sofort an Fähigkeiten und Potenziale gedacht. An den Wunsch, sie kennen und einsetzen zu können, um einen sinnvollen und gleichzeitig erfüllenden Beitrag zu leisten.
Wenn du dir die Karte mal anschaust: Der Magier hat die „Unterstützung der 4 Elemente“ vor sich auf dem Tisch liegen. Er braucht sie nur zu nutzen. Er verfügt z. B. über die nötigen Gedanken und Konzepte (Schwert, Element Luft, geistige Fähigkeiten), über Kreativität, Intuition und Geduld (Kelch, Element Wasser), über Tatkraft, Tatendrang und Optimismus (Stab, Element Feuer) und über eine gewisse Bodenständigkeit, Werteverständnis und benötigte handwerkliche, praktische Fähigkeiten (Münze, Element Erde). Es ist alles da.
„Der Magier“ wird allerdings manchmal auch „Der Gaukler“ genannt. Besonders Menschen, die sehr vielseitig interessiert sind und daher schon naturgemäß viele Fähigkeiten in die verschiedensten Richtungen entwickeln, unterschätzen diese oft. Sie haben das Gefühl, sie können vieles ein bisschen, aber nichts richtig. Weswegen immer eine Angst mitschwingt, dass deren (eigentlich ja nur gefühlte) Inkompetenz irgendwann auffliegt.
Vielleicht hast du schon mal vom Hochstapler-Syndrom gehört. Das sorgt dafür, dass diese Menschen weit unter ihren Möglichkeiten bleiben. Begleitet von dieser Sehnsucht, all das Material, was da vor einem liegt, nutzen zu dürfen. Sich zu entfalten. Fähigkeiten selbstbewusst anzubieten und einzusetzen. So, dass es für sie selbst, aber auch für andere sinnvoll ist.
Wo fühlst du dich, als würdest du anderen etwas vorgaukeln – obwohl du vielleicht viele Ausbildungen nachweisen kannst und/oder über viel Wissen und (Lebens-) Erfahrung verfügst? Wo hast du Angst „aufzufliegen“?
Wann hast du das Gefühl, dass andere viel mehr in der sehen, als du in Wirklichkeit bist?
In welchen Momenten zweifelst du besonders an dir?
Selbstzweifel als Teil des Weges verstehen
Aufbruch. Unterwegssein. Das sind meist meine ersten Gedanken bei dieser Karte, die uns heute einen Impuls spiegeln soll, wie du mit deiner Angst umgehen kannst.
„Der Wagen“ (Karte 2) kann nur von zwei sich ergänzenden Kräften, die miteinander im Gleichgewicht sind, vorwärts gezogen werden. Fehlt diese Balance, dreht er sich im Kreis.
Bezogen auf unser Hochstapler-Thema könnte dieses Gleichgewicht z. B. hergestellt werden, indem man lernt, Wertschätzung und Komplimente anderer anzunehmen oder sogar aktiv einzuholen. Ohne sich zu zwingen, die Komplimente glauben zu müssen. Es reicht für den Anfang, sie dankend anzunehmen und kommentarlos wirken zu lassen. Immer und immer wieder. Oder du gehst noch einen Schritt weiter und fragst dich mit ehrlichem Interesse, warum diese Komplimente tatsächlich wahr sind.
Komplimente können den Perfektionsdruck anfangs allerdings auch erhöhen. Denn vielleicht kommt jetzt das Gefühl auf, noch mal extra Leistung bringen zu müssen, damit sie sich auch wirklich bewahrheiten. Versuche, dem Drang nach mehr Leistung und Perfektion zu widerstehen und mache bewusst weniger, damit auch hier ein gutes Gleichgewicht entstehen kann.
Die Figur auf der Karte lässt außerdem die alten Strukturen hinter sich (feste Stadtmauern). Was bedeutet: Nur, wer losgeht, kann sich von seinen stressenden Ansichten lösen. Veränderung passiert unterwegs. Schritt für Schritt.
Und wer unterwegs ist, entwickelt sich ständig weiter. Niemand von uns ist fertig. Oder weiter als jemand anderes. Jeder Mensch hat einen anderen Standpunkt, ja. Aber eben auch einen anderen Erfahrungshintergrund, andere Werte und Ziele. Im Grunde sind wir nicht vergleichbar. Und unsere Fähigkeiten sind für irgendjemanden immer gut genug. Wir können also jetzt schon nutzen, was wir haben und gleichzeitig unterwegs sein, uns weiterentwickeln.
Dazu rät auch diese Karte: Nimm die Zügel in die Hand, werde dir deiner Fähigkeiten bewusst. Erkenne aber auch deinen Wert als Mensch – der nicht von deinen Fähigkeiten und deiner Leistung abhängt.
Mit welchen Fragen oder Problemen kommen andere Menschen gerne zu dir?
Welche Dinge oder Themen interessieren dich?
Wenn du dich bisher hauptsächlich gefragt hast, was du in deinem Leben gern erreichen möchtest, frage dich ab heute stattdessen öfter mal: Was möchtest du gerne erleben? Womit möchtest du deine kostbare Lebenszeit verbringen?
Was könnte dir helfen, dich regelmäßig daran zu erinnern, dass niemand von uns perfekt ist (auch nicht die Menschen, die so wirken!) und dass unterwegs sein – und Fehler machen – völlig in Ordnung und ein wichtiger Teil der Entwicklung ist?
Alte Wunden erkennen, damit sie dich nicht ausbremsen
Unsere dritte Karte, die „9 der Stäbe“, gibt uns Hinweise dafür, wie sich die Situation entwickeln kann, worauf du unterwegs achten solltest.
Die Figur trägt einen Kopfverband und schaut nach links, in Richtung Vergangenheit. Das deutet darauf hin, dass die Verletzung eine alte (Kindheits-) Wunde ist. Die Figur wirkt, als würde sie bedroht werden. Es ist aber niemand zu sehen. Das heißt, du solltest regelmäßig prüfen, ob die Gedanken, Ängste und Sorgen, die du hast, wirklich (noch) berechtigt sind.
Achtung: Wir wollen uns unbewusst bestätigen, was wir sowieso schon glauben. Achte also darauf, dass du dir hier die richtigen Fragen stellst und nicht in den Bestätigungskreislauf hineinrutschst, der die alte Wunde immer wieder aufreißt.
Zu der alten Verletzung kann natürlich auch mal eine neue kommen. Wer auf unbekannten Wegen unterwegs ist (und nur die bringen einen weiter), kann schon mal ins Stolpern kommen. Lass dich nicht in die Irre führen. Weder von deinen alten Verletzungen, noch von Menschen, die scheinbar angekommen sind. Auch diese Menschen sind gestolpert. Und sie stolpern heute noch – denn sie sind nach wie vor unterwegs.
Nur bekommst du davon meist wenig mit. Und selbst wenn dir ein Blick hinter die Kulissen gewährt wird: Deine Wahrnehmung ist vermutlich so sehr darauf ausgelegt, das Perfekte und Unerreichbare zu sehen, dass du kaum erkennen kannst, was dir da gezeigt wird. Hier hilft es, wenn du gezielt nach dem Ausschau hältst, was hinter den Vorhängen ist, und damit die bewusste Absicht hast, deinen Bestätigungskreislauf zu verlassen – wenigstens ein kleines bisschen.
Woran – an welchen Gedanken, Gefühlen, Verhaltensweisen, Körperempfindungen – erkennst du einen Rückfall in deine alten Zweifel? (s. Karte 1)
Warum sind diese Zweifel nicht uneingeschränkt wahr?
Was würdest du tun, wenn du diese Zweifel nicht hättest? Und welchen kleinen Schritt in diese Richtung kannst du gehen – sodass du dich gerade noch sicher und fähig genug fühlst?
Fazit: Warum du deine Fähigkeiten schon heute nutzen darfst
Der Wunsch, einen sinnvollen Beitrag zu leisten und seine Fähigkeiten sinnvoll einzusetzen, steckt wohl in jedem Menschen. Auch, wenn sich dessen nicht jeder bewusst ist.
Gerade Menschen, die sehr vielen Interessen nachgehen und dadurch Fähigkeiten in viele Richtungen entwickeln, zweifeln oft daran, überhaupt irgendwas beisteuern zu können. Sie glauben, dass sie vieles ein bisschen können aber nichts richtig. Und dass deswegen ihr Können nicht ausreicht. Sie gehen trotzdem ihren Weg, haben dabei aber ständig Angst, dass andere bemerken, dass sie in Wahrheit zu gar nichts gut sind.
Es ist so wichtig, sich immer wieder bewusst zu machen, dass man gleichzeitig unterwegs sein und aktuelle Fähigkeiten einsetzen kann. Dass niemand von uns jemals fertig ausgebildet oder entwickelt ist. Dass andere Menschen auch an sich zweifeln und Angst haben, Fehler zu machen.
Es ist außerdem wichtig, sich immer wieder bisher Erreichtes und Erlebtes bewusst zu machen. Besonders dann, wenn einen die alten Muster wieder einholen und man auch mal zurückfällt. Auf neuen Wegen sind wir unsicher. Und das Gefühl der Unsicherheit aktiviert schnell alte Zweifel, lässt alte Wunden wieder aufreißen. Wenn man das weiß, kann man bewusst damit umgehen.
Der Weg, auch wenn es ein sogenannter Herzensweg ist, wird also sehr wahrscheinlich nicht immer leicht zu gehen sein und es wird sicherlich auch mal Rückfälle geben. Je mehr du dich selbst möglichst wertungsfrei beobachten kannst, desto mehr kannst du aus diesen Rückfällen lernen. Und mit jeder neuen Schleife, die du drehst, kommst du ein Stückchen weiter.
Der Monatsimpuls „Du bewirkst mehr, als du glaubst“ passt hier übrigens auch und ergänzt unser heutiges Thema sehr gut.
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Foto von R_Tee via Canva.com
Tarot von A.E. Waite, Mit freundlicher Genehmigung des Königsfurt-Urania-Verlags
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