Warum du ein Coaching-Tagebuch führen solltest

Ich empfehle meinen Klienten immer, ein Coaching-Tagebuch zu führen. Auch dann, wenn wir ausschließlich per E-Mail zusammenarbeiten oder digital ausfüllbare Arbeitsblätter zu bestimmten Coaching-Übungen nutzen.

Warum das Schreiben per Hand so wichtig ist, was ein Coaching-Tagebuch überhaupt ist und wie es wirkt, erkläre ich dir in diesem Blogartikel.

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Falls du wissen möchtest, was Coaching eigentlich ist und warum E-Mail-Coaching besonders wirkungsvoll sein kann, kannst du das hier nachlesen.

Inhalt

Was ist ein Coaching-Tagebuch?

Was steht in einem Coaching-Tagebuch?

Wie wirkt ein Coaching-Tagebuch?

7 gute Gründe, warum du ein Coaching-Tagebuch führen solltest

Wie wirkt ein Coaching-Tagebuch noch besser?

Wie du ein Coaching-Tagebuch führen kannst

Unstrukturiert und intuitiv

Als Journal mit Hilfe von Reflexionsfragen

Als Rückblick

In deinen Kalender integriert (als Bullet Journal)

Fazit: Ein perfekter Begleiter nach deinen Bedürfnissen

Was ist ein Coaching-Tagebuch?

Ein Coaching-Tagebuch ist nichts anderes, als ein ganz normales Notizbuch, das du während eines Coachings nutzt. Du kannst darin z.B. Erfolge und Erkenntnisse festhalten. Oder du notierst dir Fragen und Ereignisse, die du später mit deinem Coach durchgehen und klären möchtest.

Es eignet sich auch gut dafür, deine tägliche Stimmung zu tracken und dir deine Gedanken überhaupt erst bewusst zu machen.

Und du kannst es sehr gut fürs Selbstcoaching nutzen. Allein das Aufschreiben von Gedanken, Beobachtungen und Ereignissen entlastet den Kopf und reduziert Stress.

Was steht in einem Coaching-Tagebuch?

Du kannst alles festhalten, was für dich relevant ist. Das kann z.B. sein:

  • Erlebnisse & Begegnungen
  • Beobachtungen & Eindrücke
  • Gedanken
  • Fragen
  • Erkenntnisse
  • Stimmungen
  • Pläne & Ideen
  • Träume
  • Reflexionsfragen & Antworten (Journaling)

Außerdem kannst du dein Coaching-Tagebuch fürs Freewriting nutzen. Vielleicht kennst du das Freewriting auch unter dem Begriff Morgenseiten: Du schreibst intuitiv, ohne den Stift abzusetzen und ohne drüber nachzudenken oder irgendwas zu bewerten, 3 DIN-A4-Seiten voll. Mit allem, was eben gerade geschrieben werden möchte. In diesem Artikel von Paul Henkel kannst du mehr über Morgenseiten lesen

Wie wirkt ein Coaching-Tagebuch?

Ein Coaching-Tagebuch macht die eher schleichend passierenden Veränderungen gut sichtbar. Wenn du also das Gefühl hast, dass du dich nur im Kreis drehst oder sogar Rückschritte machst, schau in deine Notizen und prüfe, ob das wirklich so ist. In den meisten Fällen stimmt das nämlich nicht. 🙂

Neben der Dokumentation gibt es aber noch viele andere gute Gründe, ein Coaching-Tagebuch zu führen.

7 gute Gründe, warum du ein Coaching-Tagebuch führen solltest:

  • Schreiben hilft beim Verarbeiten und Einordnen schwieriger Emotionen und Situationen
  • Schreiben macht den Kopf frei und führt zu neuen Lösungsideen (Stress sorgt für einen Tunnelblick; Schreiben reduziert Stress und weitet dein Blickfeld)
  • du kannst leichter mit Vergangenem abschließen
  • wenn du schreibst, entschleunigst und sortierst du deine Gedanken
  • du lernst dich selbst und deine eigenen Stressmuster besser kennen und entwickelst ein gesundes Bewusstsein dir selbst gegenüber
  • Schreiben per Hand trainiert das Gehirn (es werden dieselben Hirnregionen aktiviert, wie beim Denken, Sprechen und Erinnern; handschriftlich Notiertes bleibt somit auch besser im Gedächtnis)
  • du kannst deine Fortschritte und deine ganz eigenen Veränderungsmuster leichter erkennen (das gibt dir Sicherheit während einer unruhigen Phase)

Wie wirkt ein Coaching-Tagebuch noch besser?

Schreiben entspannt und macht den Kopf frei. Noch besser funktioniert das, wenn du einen gemütlichen Schreibplatz hast, an dem du ungestört bist.

Das Notizbuch sollte eins sein, in das du gerne schreibst. Es gibt große Unterschiede in Optik, Haptik, Größe und Papierstärke. Ich mag die Notizbücher und Kalender von Lebenskompass total gerne, teste mich aber auch immer wieder durch viele andere.
(Ich liebe Notizbücher. Und ich hab mich am Anfang kaum getraut, reinzuschreiben. Sie waren so schön und perfekt – und ich wollte sie nicht „verhunzen“. Das habe ich aber inzwischen überwunden. 😄)

Und natürlich macht Schreiben viel mehr Spaß mit dem passenden Stift. Mir persönlich ist nicht so wichtig, wie der Stift aussieht. Hauptsache er liegt gut in der Hand und ich kann leicht damit schreiben. Seit einigen Jahren nutze ich für Journals und Kalender nur noch  0,5er Gel-Tintenroller (z.B. von Pentel).

Wie du ein Coaching-Tagebuch führen kannst

Du kannst ein Coaching-Tagebuch auf ganz unterschiedliche Art und Weise führen. Lass strenge Regeln weg und halte es möglichst einfach. Es muss zu dir und deinem Alltag passen und soll Spaß machen.

Gerade am Anfang solltest du regelmäßig schreiben. Nimm dir z.B. jeden Abend 5-10 Minuten Zeit und lasse deinen Tag Revue passieren. Notiere dir Fragen, Erkenntnisse und Gedanken aber auch möglichst direkt – in dem Moment, in dem sie auftauchen.

Unstrukturiert und intuitiv

Du schreibst einfach „frei Schnauze“ deine Fragen, Erkenntnisse, Situationen und Gedanken runter, die dich beschäftigen. Am besten notierst du dir zu jedem Eintrag das Datum und evtl. die Uhrzeit. Ansonsten setzt du dir hier keine Vorgaben.

Du kannst in der Ich-Form schreiben oder in der Du-Form – so, als würdest du einem guten Freund schreiben. Durch die Du-Form nimmst du ein bisschen Abstand zu dir und deinen Gedanken ein. Vielen fällt das Schreiben dann leichter. Du kannst aber auch zwischen beiden Formen hin und her wechseln. Oder du schreibst aus der Perspektive eines neutralen Beobachters.

Es ist auch egal, ob du in ganzen Sätzen oder in Stichpunkten schreibst. Du bist völlig frei und musst dich auf nichts festlegen. Es gibt kein richtig oder falsch.

Als Journal mit Hilfe von Reflexionsfragen

Gerade für Schreib-Anfänger können gezielte Fragen hilfreich sein, um in den Schreibfluss zu kommen. Du kannst dir dafür z.B. eine Art Fragenkatalog anlegen, aus dem du dann jeden Tag die Fragen aussuchst, die gerade passen.

Deinen Fragenkatalog kannst du auf der ersten oder letzten Seite deines Notizbuchs anlegen. Du kannst die Fragen aber auch auf extra Zettel oder Kärtchen schreiben und im Notizbuch lagern. Viele Bücher haben hinten eine sog. Froschtasche für lose Zettel.

Welche Fragen du dir stellst, hängt natürlich auch von deinem Thema ab. Das Reflektieren einer Coaching-Stunde könnte z.B. so aussehen:

  • Wie ging es mir vor, während und nach der Coaching-Sitzung?
  • Was habe ich heute gelernt? Welche Erkenntnisse konnte ich gewinnen?
  • Was bedeuten diese Erkenntnisse für mich?

Zusätzlich könntest du einen bestimmten Bereich (z.B. eine Doppelseite) für aufkommende Fragen und Gedanken einplanen, die du bis zur nächsten Sitzung festhalten möchtest.

Solltest du mehr als den geplanten Platz benötigen, nimmst du dir einfach mehr. Und wenn du diesen Bereich nicht oder kaum füllst, ist das auch okay. Lass ruhig (fast) leere Seiten einfach so stehen. Manchmal sagt eine leere Seite auch viel aus, oder?

Der vorher geplante Bereich für Fragen und Gedanken hat aber vor allem die Aufgabe, den inneren Autopiloten deines Gehirns auf die Suche zu schicken. Das hilft dir dabei, dir deine Fragen und Gedanken überhaupt erst bewusst zu machen, und Denk- oder Schreibblockaden zu überwinden.

Als Rückblick

Ich führe mein Coaching-Tagebuch am liebsten als Rückblick.

Dafür starte ich ein frisches Notizbuch mit den wichtigsten Punkten meines vorherigen Jahres. Hier versuche ich kurz und knapp – auf einer Seite – zu bleiben.

Dann plane ich eine Doppelseite für den späteren Monatsrückblick ein. Die bleibt erst mal leer. Je nach dem, was du den Monat über so beobachten möchtest, kannst du dazu schon entsprechende Fragen oder Stichpunkte notieren.

Die nächste Doppelseite ist für den aktuellen Wochenrückblick. Dafür teile ich sie in 6 Bereiche auf – für jeden Tag einen (das Wochenende fasse ich zusammen). Dort notiere ich Ideen, Gedanken und Fragen, die ich während des Tages habe. Spätestens am Abend gehe ich den Tag noch mal kurz durch und schreibe auf, was mir dazu in den Sinn kommt.

Wenn ich mal mehr Platz für die Tagesnotizen brauche, blättere ich auf die nächste – noch freie – Doppelseite um, notiere das aktuelle Datum und schreibe drauf los.

Mit dem Beginn der nächsten Woche starte ich einen neuen Wochenrückblick auf einer neuen Doppelseite.

Zum Monatsende schaue ich mir meine Notizen der letzten Wochen an, blättere zum (fast) leeren Monatsrückblick zurück und halte dort fest, was mir so aufgefallen ist.

Am Ende eines Jahres schaue ich dann nur noch die Monatsrückblicke durch und fasse mein Jahr zusammen. Und spätestens dann werden mir meine Veränderungen und Entwicklungen noch mal bewusst!

Manchmal stöbere ich zwar hier auch noch mal in den Tages- und Wochennotizen, aber das eher wahllos.

In deinen Kalender integriert (als Bullet Journal)

Hast du gern alles an einem Ort, kannst du dein Coaching-Tagebuch auch in deinen Kalender integrieren. Am besten eignet sich hierfür ein Bullet Journal.

Was ein Bullet Journal ist und wie du es nutzen kannst, erfährst du hier ausführlich von Timo Ostrich.

Da ich mit allen vorstrukturierten Buchkalendern immer nicht so 100%ig glücklich war, führte ich auch ein paar Jahre lang ein Bullet Journal. Orientiert habe ich mich dabei an dieser minimalistischen Planung von Miss Konfetti. Entsprechende Seiten für Rückblicke und Journaling habe ich an den passenden Stellen eingefügt.

Inzwischen führe ich Kalender und Coaching-Tagebuch lieber getrennt. Das funktioniert für mich momentan am besten.

Fazit: Ein perfekter Begleiter nach deinen Bedürfnissen

Das Coaching-Tagebuch kannst du nutzen, um Fragen, Gedanken und Erlebnisse festzuhalten. Gleichzeitig hilft es dir beim Reflektieren bestimmter Themen (Journaling).

Die einzige Regel, die es hierbei gibt: Halte es einfach und passe es (immer wieder neu) an deine Bedürfnisse an. Für den grundlegenden Aufbau eines Coaching-Tagebuchs kannst du dich an dem Prinzip des Bullet Journalings orientieren. Du kannst aber auch – völlig ohne Struktur – einfach drauf los schreiben.

Um eine Schreibroutine zu entwickeln, kann es helfen, das Tagebuch am Anfang täglich zu nutzen. Ein paar Stichpunkte genügen. Und selbst, wenn du nur schreibst, dass dir z.B. heute gar nicht nach Schreiben ist, reicht das völlig aus.

Denke aber immer daran, dass das Schreiben dich unterstützen und entlasten soll – statt mehr Druck aufzubauen.

Wie würdest du dein Coaching-Tagebuch führen? Oder schreibst du sogar schon regelmäßig? Vielleicht in Verbindung mit einer Weiterbildung oder als Selbstcoaching? Kommentiere gerne unten oder antworte mir hier. Auch, wenn du Fragen oder Ergänzungen zum Thema hast. 🙂

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Anett Enderlein

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