Ich höre so oft: „Ich muss wahrscheinlich nur resilienter werden, damit mich das Rumgeschnauze vom Chef nicht mehr so belastet und ich produktiver werde.“ Oder: „Ich muss resilienter werden, damit mir die Schikane der Kollegen/der Familie am Hintern vorbeigeht.“
Im Monatsimpuls vom August 2024 schauen wir, warum sich Resilienz auf diese Art nicht entwickeln wird und wie du es stattdessen angehen kannst.
Ich nutze Tarot als psychologisches Hilfsmittel, um ein monatliches Abgrenzungsthema mit passenden Reflexionsfragen auszuwählen. Wie du mit dem Monatsimpuls arbeiten und dir auch ein eigenes Bild der Karten machen kannst, habe ich dir in diesem Blogartikel beschrieben.
Inhalt
Die August-Karten
Abgrenzungsthema August 2024: Ich muss nur resilienter werden
Handlungsimpuls: Stufe für Stufe Fähigkeiten aufbauen
Ergänzende Hinweise: Reduziere zuerst akute Belastungen, bevor du auf die nächste Stufe gehst
Zusammenfassung
Die August-Karten
Hier das Foto der August-Legung, falls du dir ein eigenes Bild machen oder einfach nachvollziehen möchtest, wie ich auf die aktuellen Impulse komme.
Kraft, 8 der Münzen, 8 der Stäbe
Abgrenzungsthema August 2024: Ich muss nur resilienter werden
Unsere erste Karte, die „Kraft“ spiegelt unser monatliches Abgrenzungsthema.
Diese Karte symbolisiert innere Stärke. Die Figur bezwingt einen Löwen. Das tut sie nicht mit körperlicher Kraft, sondern mit geistiger. Sie strahlt Ruhe aus. Sie weiß, was sie tut.
Der Löwe kann unter anderem für starke und ungezähmte Emotionen und impulsives Verhalten stehen. Oder eben für äußere Umstände, die entsprechend starke Emotionen auslösen.
Wenn ich mir das gesamte Kartenbild anschaue, fällt mir auf, dass alle drei Karte die Zahl 8 enthalten. Die 8 steht unter anderem für Stabilität, die allerdings flexibel ist. Das lässt mich sofort an Resilienz denken: Die Fähigkeit, gestärkt aus Krisen hervorzugehen und nicht an den Umständen zu zerbrechen. Das geht nicht mit einem starren Geist. Die benötigte Flexibilität lässt sich aber erlernen.
Im Grunde ist Resilienz die höchste Stufe des empathischen Abgrenzens, weil hier einfach alles mit rein fällt, was ein gesundes Abgrenzen ausmacht: wie z. B. Fähigkeiten zur Stress- und Problembewältigung, ein stabiles Selbstwertgefühl, Selbstvertrauen, Offenheit und Lernbereitschaft.
Welchen Löwen musst du gerade bezwingen?
Welchen Kampf trägst du im Moment aus?
Wofür brauchst du innere Stärke und Stabilität?
Handlungsimpuls: Stufe für Stufe Fähigkeiten aufbauen
Unsere zweite Karte, die „8 der Münzen“ spiegelt uns einen Handlungsimpuls – eine mögliche Lösung bzw. einen Weg, um zu mehr innerer Stabilität zu gelangen.
Die Münzen stehen für das Element Erde und damit auch für Verwurzelung. Wer tief verwurzelt ist, den reißt nichts so schnell raus. Die „8 der Münzen“ symbolisiert im Speziellen die Übung. Man ist also unterwegs, mitten im Lernprozess. Rachel Pollack sagt dazu: „Keine Arbeit kann gelingen, wenn der Mensch nur das Endergebnis vor Augen hat.“
Was so viel heißt wie: Behalte dein Ziel im Blick, aber konzentriere dich auf den Weg. Der Weg, den wir wählen, ist mindestens genauso wichtig wie das Ziel. Resilienter zu werden ist kein Projekt, das in wenigen Schritten erledigt ist und wo du den Weg schnell wieder hinter dir lassen kannst. Es ist viel mehr eine Lebenseinstellung, die du immer weiter entwickelst und ausbaust. Es ist ein Lebensweg. Und jetzt stelle dir vor, du bist auf einem Weg, den du eigentlich gar nicht magst.
Statt Energie in eine Umsetzung zu investieren, die überhaupt nicht zu dir passt, solltest du etwas wählen, was du mit Hingabe tun kannst und was Freude in dir auslöst. Natürlich gibt es auch mal unschöne Momente, ohne Hingabe und Freude. Es geht mir hier um die Grundbeschaffenheit deines Weges, abgesehen von den Steinen, die du hin und wieder mal beseitigen musst.
Das Ziel immer im Blick, gilt es also, die eigene Resilienz – die innere Stärke und Stabilität – Stufe für Stufe aufzubauen. Und zwar auf deine ganz eigene Art und Weise.
In Hinblick auf den Löwen, den du gerade versuchst, zu bezwingen: Welchen Lösungsweg hast du gewählt? Passt er (noch) zu dir und deinem langfristigen Ziel? Kannst und möchtest du dich auch langfristig auf diesem Weg aufhalten?
Auf welche deiner Fähigkeiten kannst du aufbauen? Was sind deine Stärken?
Was macht dir Freude und gibt dir mehr Energie, als es dir nimmt? Wie kannst du das einsetzen, um innere Gelassenheit und Stärke aufzubauen?
Ergänzende Hinweise: Reduziere zuerst akute Belastungen, bevor du auf die nächste Stufe gehst
Unsere dritte Karte, die „8 der Stäbe“ ist eine Feuerkarte, die uns ergänzende Hinweise gibt. Wenn du auf die Karte schaust, siehst du, wie 8 Stäbe angeflogen kommen. Der Himmel ist blau und wolkenlos. Die Stäbe kommen also „aus heiterem Himmel“.
Die Karte vermittelt eine eher positive Stimmung. Wobei sie gleichzeitig auf Stress hinweisen kann. Wer seinen Stress nicht gut managen kann, brennt aus. Stress- und Problembewältigung sind wesentliche Grundstufen der Resilienz. Du solltest also zuerst akute Belastungen reduzieren, damit du auch die Kapazitäten hast, dich langfristig zu stärken und zu stabilisieren.
Was neben dem Reduzieren akuter Belastungen immer hilfreich ist: Bleibe offen, neugierig und lernbereit. Bilde dich auch in Bereichen weiter, die nicht direkt etwas mit deinem Beruf zu tun haben. Dabei entstehen wertvolle Verknüpfungen, die du für die unterschiedlichsten Aufgaben nutzen kannst, die manchmal so auf einen einprasseln.
Je resilienter du ist, desto besser kannst du mit Herausforderungen umgehen, die aus heiterem Himmel auf dich zukommen. Desto kleiner ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass du ausbrennst. Was nicht heißt, dass du Resilienz anstreben solltest, um z. B. für den Arbeitgeber produktiver und belastbarer zu werden. Resilienz entwickelst du für dich, deine Gesundheit und deine Lebensfreude. Produktivität und Belastbarkeit sind eine Folge davon. Unter anderem deswegen, weil du als resilienter Mensch klare Grenzen setzt und dich z. B. nicht einem schädlichen (Arbeits-) Umfeld unterwirfst.
Welchen, vielleicht alltäglichen, Belastungen bist du – neben dem Löwen – gerade ausgesetzt?
Welche deiner alltäglichen Belastungen sind Bestandteile des Löwen?
(Wenn du das eine große Thema, das dich beschäftigt, auf viele kleinere Themen runterbrechen kannst, sind sie leichter zu bewältigen.)
Was könnte helfen, einige dieser Belastungen zu reduzieren? Wer kann dich unterstützen? (z. B. Wer kann dir Aufgaben abnehmen? Wer kann dir eine emotionale Stütze sein? Wer kann dir helfen, zu priorisieren?)
Zusammenfassung
Resilienz ist ein großes Thema, das sich nicht auf einen bestimmten Lebensbereich begrenzen lässt. Deine größte Herausforderung, mit der du momentan zu kämpfen hast (dein Löwe), kann dieses Thema für dich greifbarer machen. Alles, was du hier lernst, kommt dir auch in allen anderen Lebensbereichen zu Gute.
Bestenfalls löschst du nicht nur ein Feuer, sondern lernst, Bedingungen für dich zu schaffen, die dich wachsen lassen. Wichtig ist, dass du zunächst akute Belastungen reduzierst, damit du überhaupt die Kapazitäten hast, dich langfristig zu stärken und zu stabilisieren. Außerdem kann es helfen, das eine große Problem (den Löwen) auf viele kleinere Themen herunterzubrechen.
Auch wenn eine aktuelle Herausforderung das Thema „Resilienz“ für dich greifbar macht und dir eine Übungs- und. Entwicklungsmöglichkeit schenkt, sollte das Bezwingen dieses Löwen nicht der alleinige Grund sein, warum du resilienter werden möchtest. Vor allem dann nicht, wenn das Ergebnis dieses Löwenkampfes sein soll, andere Menschen zufrieden zu machen. Resilient sein heißt z. B. nicht, dass du dich einem schädlichen (Arbeits-) Umfeld aussetzen musst. Im Gegenteil: Du kannst selbstbewusster für dich einstehen, gesunde Grenzen setzen und Unterstützung fordern. Oder eben dieses Umfeld ohne schlechtes Gewissen hinter dir lassen, wenn deine Grenzen weiterhin überschritten werden und entsprechende Unterstützung ausbleibt.
Du brauchst innere Stärke, um dein Ziel zu erreichen, um den Löwen zu bezwingen. Prüfe dabei aber immer wieder, ob dein gewählter Weg, diese Stärke zu erlangen, einer ist, den du in dir verwurzeln möchtest, mit dem du verwachsen willst. Machst du dein Erreichen der inneren Stärke allein von deinem Ziel abhängig, greifst du vielleicht hektisch zu Mitteln und Wegen, die dir nicht entsprechen und die du auf Dauer nicht durchhältst. So kann sich keine echte Resilienz entwickeln.
Genauso solltest du auch dein Ziel immer wieder prüfen. Denn manchmal zeigt sich unterwegs, dass das Ziel aus einer problematischen Annahme heraus entstanden ist. Zum Beispiel hattest du zum Start vielleicht den Gedanken „Ich möchte resilienter werden, damit ich die Schikane besser aushalten kann“. Und nun erkennst du, dass dein eigentliches Ziel ist: „Ich muss und möchte die Schikane nicht aushalten. Ich möchte sie stoppen oder das Umfeld verlassen.“
Resilienz entwickelst du für dich und deine Gesundheit – nicht, um andere Menschen zufriedenzustellen.
Wenn du per E-Mail über den nächsten Monatsimpuls informiert werden möchtest, trag dich hier für die Menschenfieber-Post ein (kostenfrei). Dort machen wir auch regelmäßig gemeinsam kleine Legungen, als eine Art Mini-Check-up.
Möchtest du deine individuelle Situation mit Hilfe der Tarotkarten durchleuchten, um sie besser zu verstehen, nächste Lösungsschritte zu finden und gleichzeitig deine Stresskompetenz und Entscheidungsfähigkeit zu stärken? Dann schau mal hier: Psychologisches Coaching mit Tarot
Hast du Fragen, Gedanken oder Ergänzungen zum August-Impuls? Dann kommentiere unten auf dieser Seite, schreib mir hier oder nutze den anonymen Blog-Briefkasten.
Danke für deine Zeit. 🙂
Foto von R_Tee via Canva.com
Tarot von A.E. Waite, Mit freundlicher Genehmigung des Königsfurt-Urania-Verlags
Ich schreibe dir etwa 4x im Monat – immer dann, wenn es Neuigkeiten gibt oder ein neuer Blogartikel online ist. Da ich meine Workshop-Wochen zeitlich und inhaltlich flexibel plane, erfährst du außerdem aktuelle Termine und Themen ausschließlich hier über diesen Weg.
Alle 3 Monate gibt es ein paar zusätzliche Mails, in denen ich dich zu kurzen Reflexionen mit Hilfe der psychologischen Tarot-Arbeit anleite.
Du kannst mir jederzeit auf meine Mails antworten, wenn du deine Gedanken mit mir teilen möchtest. Ich freue mich immer über einen kurzen Austausch.
Die Menschenfieber-Post ist für dich kostenfrei. Möchtest du irgendwann keine Mails mehr bekommen, kannst du dich jederzeit mit nur einem Klick wieder abmelden.
Ich versende die Mails über einen deutschen Newsletter-Anbieter mit hohen Datenschutz-Standards. Mehr Infos dazu findest du in meiner Datenschutzerklärung.
Einfach anfangen: Kleine Schritte für mehr Ruhe & klare Grenzen > als Workshop oder im 1:1 >>> mehr Infos & Anmeldung
Hi, ich bin Anett. Ich unterstütze vor allem introvertierte, sensible und empathische Menschen dabei, sich von Druck und Erwartungen anderer zu befreien, Konflikte wertschätzend zu lösen und Stress zu reduzieren. Hinter den Kulissen immer an meiner Seite: meine beiden Hunde aus dem Tierschutz – Suri und Nanni.
Meine neuesten Blogartikel
Der Konflikt zwischen Abgrenzung und Harmonie
Es gibt diese Momente, in denen wir im Kopf eigentlich schon fertig sind. Wir wissen genau, welche Entscheidung ansteht und wo wir eine Grenze ziehen müssten, um wieder durchatmen zu können. Doch statt loszugehen, bleiben wir stehen und beobachten die Situation lieber noch eine Weile aus der Ferne. Dieser Stillstand ist meistens ein Schutzreflex: Wir versuchen, den Wunsch nach Ruhe mit dem tief sitzenden Anspruch zu vereinen, es bloß allen recht zu machen.
Monatsrückblick April 2026: Schreibfluss, Workshop-Check und Post von euch
Im April habe ich gefühlt nichts anderes gemacht, als zu schreiben. Zwischen Blogartikeln und Coaching-Konzepten habe ich viel darüber nachgedacht, wie sich „Menschenfieber“ über die Jahre verändert hat. Und warum es heute mehr denn je darum geht, bei sich selbst anzufangen, statt die Welt umbauen zu wollen.
Selbstwahrnehmung im Alltag: Ein kleiner Satz und seine Wirkung
Ich bin neulich über einen Satz in einer Mail gestolpert, der früher unbewusst sofort ein altes, ungutes Selbstbild bestätigt hätte. Diesmal war es anders. Ich zeig dir hier mal, wie es aussehen kann, wenn so ein Pieks kommt und man einfach nur beobachtet, was passiert. Es ist immer wieder faszinierend, wenn ich merke, wie das ungute Gefühl von selbst wieder abebbt und gar nicht erst hängen bleibt.
Hier kannst du dir den Blogartikel anhören:





