Wenn es um einen herum brodelt, Konflikte in der Luft liegen oder Kritik befürchtet wird, macht man oft erst mal reflexartig dicht. Um die Situation doch noch irgendwie zu kontrollieren, fängt der Kopf dann an, wie wild zu arbeiten: Es werden Absicherungs-Szenarien durchgespielt, Reaktionen anderer bis ins kleinste Detail zerlegt und vielleicht auch Ratgeber oder Sachbücher durchgewälzt. Immer in der Hoffnung, sich durch noch mehr Verstehen unangreifbar zu machen.
In diesem Monatsimpuls geht es darum, was hinter diesem Schutzreflex stecken kann und was es braucht, damit du dich nicht länger durch ständige Schadensbegrenzung verausgabst.
Ich nutze Tarot als psychologisches Hilfsmittel, um ein monatliches Abgrenzungsthema mit passenden Reflexionsfragen auszuwählen. Wie du mit dem Monatsimpuls arbeiten und dir auch ein eigenes Bild der Karten machen kannst, habe ich dir in diesem Blogartikel beschrieben.
Inhalt
Die Karten als Grundlage für diesen Impuls
Warum das Durchleuchten anderer so süchtig macht
Die ständige Angst vor dem nächsten Fehler
Selbstführung statt Schadensbegrenzung
Fazit: Aufmerksamkeit umlenken statt Reaktionen anderer zu zerdenken
Die Karten als Grundlage für diesen Impuls
Hier ein Foto unserer Legung, falls du dir ein eigenes Bild machen oder einfach nachvollziehen möchtest, wie ich auf die aktuellen Impulse komme.

Karte 2 – links: Der Teufel
Karte 3 – rechts: König der Stäbe
Warum das Durchleuchten anderer so süchtig macht
Unsere erste Karte ist die „4 der Münzen“, sie leitet unser Abgrenzungsthema ein. Mein erster Gedanke war: Hier wird sich festgeklammert. Und ein Festklammern hat ja immer auch was mit der Suche nach Sicherheit zu tun. Auf der Karte siehst du eine Figur, die vier Münzen nah am Körper hält. Sie sitzt starr da, isoliert von der Stadt im Hintergrund. Als würde sie versuchen, die Kontrolle zu behalten, weil sie Angst vor irgendeinem Verlust hat.
Die Münzen stehen ja unter anderem für materielle oder handfeste Dinge. Mir fällt hier vor allem die Münze auf dem Kopf auf. In Verbindung mit dem Festhalten denke ich jetzt auch ans Anhäufen oder Festklammern an Wissen. Manchmal liest man Ratgeber, bucht Kurse und analysiert bis ins kleinste Detail, um möglichst alles zu verstehen. Dieses Verstehen kann das Gefühl von Sicherheit geben. Es kann aber auch starr machen, wenn man es überdosiert.
Die Figur ist ja auch von der Stand im Hintergrund deutlich abgegrenzt. Als würde sie sich selbst fernhalten. Vielleicht aus Angst vor Überreizung oder dem nächsten Konflikt. Erst mal Wissen ansammeln und alles verstehen und dann kann man vielleicht wieder reingehen in die Stadt. Dazu passt die Münze vor der Brust, die wie ein Schutzschild wirkt.
Das Fernhalten von anderen und das Anhäufen von Wissen sind oft Schutzreflexe. Wir sind ja jetzt hier beim Thema „Festklammern“. Und oft klammern wir uns unbewusst an Vorstellungen darüber, wie Dinge zu laufen haben. Wenn wir uns z. B. vor Kritik schützen wollen, glauben wir vielleicht: „Wenn ich alles perfekt durchdenke, kann mir keiner was“ Und perfekt durchdenken können wir die Dinge nur, wenn wir über so viel wie möglich Bescheid wissen. Dieser Wunsch, alles vorhersehen und vorwegnehmen zu können, um sich nicht angreifbar zu machen, kostet aber extrem viel Kraft. Und der Punkt ist ja auch: Es schützt uns nicht wirklich. Außerdem brauchen wir gesunde Verbindungen zu anderen Menschen. Und die können wir schlecht aufbauen und pflegen, wenn wir uns isolieren.
- Wo grenzt du dich momentan ab, indem du dich innerlich komplett verbarrikadierst, die Luft anhältst und dichtmachst, statt eine spürbare, aber durchlässige Grenze zu setzen?
- An welchen theoretischen Erklärungen und Konzepten hältst du dich gerade gedanklich fest, um ein Gefühl von Kontrolle zu bekommen?
- An welcher Vorstellung darüber, wie du zu funktionieren hast, hältst du starr fest, um bloß keine Fehler zu machen oder Angriffsfläche zu bieten?
Die ständige Angst vor dem nächsten Fehler
Unsere zweite Karte, „Der Teufel“, erzählt uns etwas darüber, was zu dieser Starrheit und dem Festklammern, bzw. zur Suche nach Sicherheit, geführt haben kann. Mein erster Gedanke war, dass diese Karte für mich schon direkt den Handlungsimpuls spiegelt: Den Teufel von der Truhe schubsen. Denn die Truhe symbolisiert unter anderem das Unterbewusstsein, das ja sowas wie eine Blackbox ist. Dort liegt die Lebensregel von Karte 1, die man sich bewusst machen sollte: „Wenn ich alles perfekt durchdenke, kann mir keiner was.“
Aber, es geht ja hier um die Vorgeschichte. Deswegen gehen wir mal einen Schritt zurück: An dieser schwarzen Box, die vom Teufel bewacht wird, stehen zwei Figuren, die daran gekettet sind. Die Ketten hängen so locker um deren Hals, dass sie sich eigentlich jederzeit selbst befreien könnten. Sie tun es aber nicht. Entweder, weil ihnen die Ketten nicht bewusst sind. Oder weil sie mit der Situation sehr vertraut sind. Wir wählen oft das, was wir kennen, auch wenn es hinderlich oder schmerzhaft ist. Allein deswegen halten sich Stressmuster so gut. Am Ende sitzt also nicht der Teufel auf der Truhe, sondern man selbst. Und der Teufel symbolisiert die Angst, die einen überhaupt erst auf die Truhe gezwungen hat. Und das ist irgendeine fest verankerte Grundannahme, die man über sich selbst hat, wie z. B. „Ich bin falsch, so wie ich bin. Deswegen muss ich mich besonders anstrengen und anpassen.“
Ganz klassisch steht der Teufel für Abhängigkeit, in dem Fall für die emotionale Abhängigkeit. Aber er symbolisiert auch Ohnmachtsgefühle, Schattenseiten und eben das Gefangensein in automatischen Mustern („Ich muss es allen recht machen“, „Ich darf nicht auffallen und keine Fehler machen“ usw.). In unserem Fall denke ich da an den Teufelskreis aus Anpassung, Angst vor Kritik und der Überzeugung „Ich bin falsch, so wie ich bin“.
Wenn diese unbewussten Lebensregeln und Angstmuster ständig im Hintergrund aktiv sind, gerät man unter Dauerstrom und ist eigentlich permanent von anderen Menschen gestresst. Das Isolieren und der Versuch, durch Wissensanhäufung die Kontrolle zu bekommen, ist wie eine Notbremse oder ein Schutzpanzer. Und da der Teufel ja auch die Versuchung symbolisiert, denke ich gerade daran, dass ein mit Wissen vollgestopfter Kopf ja auch eine prima Ablenkung ist.
- Was glaubst du, musst du jetzt unbedingt noch analysieren und verstehen, damit sich an deiner Situation was verbessern kann?
- Über wessen Verhalten grübelst du seit Stunden – und vergisst darüber völlig, was du gerade selbst brauchst?
- Wessen Erwartung versuchst du gerade zu erfüllen, um bloß keinen Streit oder Kritik zu riskieren?
Selbstführung statt Schadensbegrenzung
Unsere dritte Karte, der „König der Stäbe“, gibt einen Handlungsimpuls. Bei einem König ist mein erster Gedanke fast immer: Verantwortung und Führung übernehmen. Die Stäbe stehen für intrinsische Motivation und Tatkraft. Sie symbolisieren das Element Feuer: Wofür brennst du? Was gibt die Energie?
Der König auf unserer Karte sitzt aufrecht, hält seinen Stab fest in der Hand und schaut klar nach vorne. Er wartet nicht darauf, dass ihm jemand Sicherheit oder die Erlaubnis für irgendwas gibt. Er handelt auch nicht aus Angst. Er fragt sich z. B. nicht, wie er Kritik verhindern kann. Wenn wir das auf unsere Situation übersetzen, heißt das, dass man seine Energie weg zieht von der Schadensbegrenzung. Also dass man aufhört, das Verhalten anderer rational zu analysieren, um dann wiederum darauf zu reagieren („Warum reagiert der andere so schroff und wie kann ich die Situation beruhigen?”). Stattdessen geht man ganz bewusst in die Selbstführung. Man orientiert sich an den eigenen Werten und fragt sich: „Was brauche ich gerade und wie sorge ich jetzt für mich?”
Was beim König auch immer auffällt ist die starke natürliche Präsenz. Er muss nicht schreien oder feilschen. Das zeigt schön, dass Grenzen setzen bzw. Selbstführung zwar ein aktiver, aber auch ein ruhiger Prozess ist. Es geht ganz viel darum, achtsam mit sich selbst zu sein. Sich selbst zu achten. Es geht darum, die eigene Energie und Aufmerksamkeit ganz bewusst zu lenken – z. B. indem man ein Gespräch beendet, das gerade zu nichts führt. Oder indem man bei seiner eigenen Wahrnehmung bleibt und sich nicht in fremde Reaktionen oder Rechtfertigungsdruck verwickeln lässt.
- Worauf richtest du deine Aufmerksamkeit gerade überwiegend: Auf das, was du verhindern willst (Kritik, Stress, Konflikte), oder auf das, was du für dich gestalten möchtest?
- Wenn du die Energie, die du aktuell ins Absichern, Grübeln und Bedenken steckst, für das nutzen würdest, was dir wirklich wichtig ist: Wofür würdest du diese Kraft einsetzen?
- Wie würde eine Entscheidung aussehen, die du nicht aus Erschöpfung oder Ärger triffst, sondern aus einer ruhigen, klaren Haltung heraus – einfach weil sie dir guttut?
Fazit: Aufmerksamkeit umlenken statt Reaktionen anderer zu zerdenken
Wenn Konflikte oder Druck in der Luft liegen, machen wir oft erst mal dicht. Manche Menschen neigen dann dazu, sich zurückzuziehen und fangen an, Wissen zu bunkern. Ein Sachbuch nach dem anderen wird gelesen, es werden Kurse gebucht und alles wird im Kopf bis ins kleinste Detail durchgespielt. Das fühlt sich zwar nach Sicherheit und Kontrolle an, macht aber in Wahrheit nur starr. Dazu kommt: Dieser krampfhafte Versuch, sich durch Perfektion und Verstehen unangreifbar zu machen, schützt kein bisschen vor Kritik. Es ist einfach nur wahnsinnig anstrengend.
Hinter dieser Starrheit steckt oft ein Teufelskreis aus tiefen Überzeugungen wie „Ich bin falsch, so wie ich bin“ und den daraus folgenden Lebensregeln. Aus lauter Angst, Fehler zu machen, anzuecken oder bewertet zu werden, versucht man, es allen recht zu machen. Man dreht sich nur noch um die Erwartungen der anderen. Das setzt einen unter Dauerstrom und macht das Miteinander extrem stressig. Irgendwann zieht man die Notbremse und verbarrikadiert sich.
Dieser Stress hört erst auf, wenn deine Energie nicht mehr komplett ans Reagieren und Absichern gebunden ist. Statt das Verhalten anderer im Kopf bis ins Kleinste zu zerlegen, hilft die einfache Frage: Was brauche ich eigentlich gerade? Wenn du bei deiner eigenen Wahrnehmung bleibst und dich an deinen Werten orientierst, verliert der Druck von außen nach und nach seine Wucht.
Wenn du per E-Mail über den nächsten Monatsimpuls informiert werden möchtest, trag dich hier für die kostenfreie Menschenfieber-Post ein. Dort machen wir auch regelmäßig gemeinsam kleine Legungen, als eine Art Mini-Check-up.
Möchtest du deine individuelle Situation mit Hilfe der Tarotkarten durchleuchten, um sie besser zu verstehen, nächste Lösungsschritte zu finden und gleichzeitig deine Stresskompetenz und Entscheidungsfähigkeit zu stärken? Dann schau mal hier: Psychologisches Coaching mit Tarot
Foto Titelbild: R_Tee via Canva.com







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