Du machst eigentlich einen guten Job, aber nach der Arbeit fühlst du dich innerlich vollkommen leergesaugt. Während um dich herum scheinbar alle den normalen Arbeitsalltag mühelos meistern, fragst du dich insgeheim, warum dich das Ganze so viel mehr Kraft kostet und ob du einfach zu weich für diese Arbeitswelt bist. Der Grund dafür liegt möglicherweise nicht an deiner Belastbarkeit, sondern an einem unbewussten Muster: Du scannst permanent und instinktiv die Stimmung im Raum, um die Erwartungen von Kollegen oder Vorgesetzten zu erfüllen und die Harmonie zu wahren.
In diesem Monatsimpuls geht es darum, mal auf deine eigene Situation im Job zu schauen und zu prüfen, wo du unbewusst vielleicht zu viel Energie verlierst.
Ich nutze Tarot als psychologisches Hilfsmittel, um ein monatliches Abgrenzungsthema mit passenden Reflexionsfragen auszuwählen. Wie du mit dem Monatsimpuls arbeiten und dir auch ein eigenes Bild der Karten machen kannst, habe ich dir in diesem Blogartikel beschrieben.
Inhalt
Die Karten als Grundlage für diesen Impuls
Der unbewusste Energie-Räuber am Arbeitsplatz: Das ständige Scannen der Stimmung
Die Wissens-Illusion: Wenn Ratgeber und Analysen die Erschöpfung verstärken
Den Stab sinken lassen: Vom automatischen Mitkämpfen ins bewusste Beobachten gehen
Die Karten als Grundlage für diesen Impuls
Hier ein Foto unserer Legung, falls du dir ein eigenes Bild machen oder einfach nachvollziehen möchtest, wie ich auf die aktuellen Impulse komme.

Karte 2 – links: Der Eremit
Karte 3 – rechts: 5 der Stäbe
Der unbewusste Energie-Räuber am Arbeitsplatz: Das ständige Scannen der Stimmung
Unsere erste Karte, die „2 der Kelche“ in der Mitte, leitet unser Abgrenzungsthema ein. Auf dem Bild sieht man zwei Menschen, die sich tief in die Augen schauen. Es wirkt, als würden sie sich gegenseitig die Kelche reichen. Ein Geben und Nehmen. Die Karte wirkt auf mich sehr harmonisch und ausgeglichen. Zwischen den beiden Menschen scheint eine gute und empathische Verbindung zu herrschen. Als würden sie genau spüren oder wissen, was der andere gerade braucht.
Bei dem roten geflügelten Löwen, der über beiden schwebt, muss ich gerade an einen Chef denken. Jemand, der alles im Blick hat und die Gesamtverantwortung trägt. Daraus schließe ich jetzt, dass es sich bei diesen beiden Menschen um Arbeitskollegen handelt. Und obwohl die Karte Harmonie und Ruhe ausstrahlt, wirken die Gesichter der Personen auf den zweiten Blick irgendwie angespannt. Unser heutiges Thema könnte also der Wunsch nach Harmonie am Arbeitsplatz sein.
Wer sehr empathisch ist, reagiert extrem auf die Atmosphäre im Raum. Man spürt sämtliche Stimmungen und versucht dann vielleicht, die Erwartungen der Kollegen und Vorgesetzten herauszulesen, um die Harmonie zu halten oder herzustellen. Wenn man andauernd die Erwartungen der anderen scannt, kostet das viel Energie. Das ist dann kein Geben und Nehmen mehr, sondern ein Herumreichen des eigenen Kelches. Man reicht seinen Kelch (seine Energie, seine Zeit, sein Mitgefühl …) so lange herum, bis er vollkommen leer ist. Am Ende macht man einen guten Job, funktioniert aber nur noch. Man fühlt sich innerlich leergesaugt von diesem zwischenmenschlichen Stress und fragt sich: „Warum schaffen die anderen das alles mühelos und ich breche hier fast zusammen? Ich bin wohl einfach zu weich für diese Arbeitswelt.“
- Wenn du an deine Kollegen oder Vorgesetzten denkst: Wie viel Energie investierst du tagsüber unbewusst darin, die Stimmung im Raum zu scannen und dafür zu sorgen, dass alles harmonisch bleibt?
- Gibt es Situationen im Job, in denen du Ärger, Kritik oder eine andere Meinung runterschluckst, um den Frieden im Team nicht zu gefährden?
- Wie oft ertappst du dich bei dem Gedanken: „Die anderen schaffen das doch auch ohne Mühe. Warum strengt mich dieser normale Arbeitsalltag so sehr an?“
Die Wissens-Illusion: Wenn Ratgeber und Analysen die Erschöpfung verstärken
Unsere zweite Karte, „der Eremit“, spiegelt uns etwas zu einer möglichen Vorgeschichte. Auf der Karte siehst du einen einzelnen Mann in einem grauen Umhang. Er ist von der Welt abgeschirmt und hält eine kleine Laterne. Vom Eremiten weiß man, dass er immer wieder für eine bestimmte Zeit Stille und Abstand sucht, um sich selbst zu finden.
Bezogen auf unsere Situation deute ich das jetzt so: Wenn du das Gefühl hast, mit dir stimmt was nicht, weil du deinen Arbeitsalltag nicht so mühelos meistern kannst, wie deine Kollegen, und wenn du auch noch psychologisch interessiert bist, hast du aufgrund dessen vielleicht in relativ kurzer Zeit extrem viel Input konsumiert, um den Dingen auf den Grund zu gehen. Das heißt, du hast z. B. Bücher gelesen, Online-Kurse gemacht und im stillen Kämmerlein (wie der Eremit) versucht, dein Problem intellektuell zu ergründen.
Wenn wir Wissen ansammeln, versuchen wir damit oft, die Kontrolle zu gewinnen. Dieser Rückzug in den Kopf ist aber in diesem Fall kein wirklicher und nährender Rückzug. Er ist eine Flucht vor dem zwischenmenschlichen Stress im Job. Wenn du dich in dich selbst zurückziehst und Wissen anhäufst, um eine Situation zu retten, versuchst du, dich im Stillen zu optimieren, um da draußen besser zu funktionieren. Du glaubst dann, dass dich dein (Arbeits-) Alltag nicht mehr so stresst, wenn du nur genug versteht.
Verstehen ist wichtig. Aber wenn dieser „Eremiten-Rückzug“ allein im Kopf stattfindet und du im Alltag weiterhin im Dauer-Scan-Modus läufst, weil dein Körper weiterhin in Alarmbereitschaft ist, gehst du mit einer Wissens-Illusion zurück an den Arbeitsplatz: Vom Kopf her verstehst du wahrscheinlich mehr. Und trotzdem versuchst du weiter mit aller Kraft, die perfekte Harmonie herzustellen, indem du dich übermäßig anpasst. Und am Ende bist du vielleicht sogar noch erschöpfter.
Der Eremit, der eigentlich für gesunden Rückzug steht, kann hier als Vorgeschichte einen Schein-Rückzug und Über-Reflexion bedeuten. Sowas geht ganz schnell und ist ziemlich typisch, wenn man versucht, das Problem isoliert und rein rational zu lösen. Man sitzt dann quasi mit seiner kleinen Laterne im Dunkeln, analysiert seine Verhaltensweisen intensiv und rutscht vielleicht dadurch sogar nur noch tiefer in die Selbstabwertung („Ich hab jetzt so viel verstanden, aber ich bekomme es einfach nicht hin. Was stimmt nicht mit mir“).
- Wie oft hast du in der Vergangenheit versucht, deine Erschöpfung im Job dadurch zu lösen, dass du noch mehr Ratgeber (z. B. über Introversion, Hochsensibilität usw.) gelesen oder psychologische Konzepte analysiert hast?
- Wenn du dich am Wochenende oder nach Feierabend zurückziehst: Wie sehr schaltest du dabei wirklich ab? Und wie sehr kreisen deine Gedanken stattdessen darum, was du an dir für den nächsten Arbeitstag verbessern musst?
- Inwieweit fühlst du dich durch die Fülle an Selbsthilfe-Methoden und Tipps im Netz innerlich eher verheddert und erschöpft, statt gestärkt?
Den Stab sinken lassen: Vom automatischen Mitkämpfen ins bewusste Beobachten gehen
Aus unserer dritten Karte, „5 der Stäbe“, leiten wir einen Handlungsimpuls ab. Auf der Karte siehst du fünf Personen, die mit Stäben um sich schlagen oder zumindest wild damit herumfuchteln. Es sieht chaotisch aus. Es scheint aber so, als wenn niemand ernsthaft verletzt wird. Die Karte steht auch eher für sportlichen Wettkampf und Kräftemessen als für ernsthafte Kämpe. Aber trotzdem stelle ich mir das unheimlich laut und anstrengend vor. Jede Person drängt in eine andere Richtung. Chaos eben.
Mein Gedanke geht hier direkt zu einem Großraumbüro. Oder zu einem anderen Arbeitsplatz, der chaotisch und unruhig ist. Wechselnde Erwartungen, Meinungen, Stimmungen … Einfach Dinge, die einen schnell überreizen können. Sie zeigt aber auch gut das Chaos und den Kampf im eigenen Kopf: Endlose Rechtfertigungs-Debatten und die Flut an angeeignetem Wissen, das versucht wird, zu sortieren.
Der automatische Handlungsimpuls würde wahrscheinlich in die Richtung gehen, das Chaos zu Kontrollieren. Zum Beispiel in dem man sich noch stärker anpasst, noch mehr Wissen und Informationen sammelt oder noch stärkere Argumente sucht. Im Grunde schlägt man damit im Geiste mit dem eigenen Stab um sich. Und genau das hat ja bisher nicht geholfen und immer nur mehr erschöpft.
Also könnte unser Handlungsimpuls sein, den eigenen Stab ganz bewusst sinken zu lassen und sich das Getümmel erst mal einfach nur anzuschauen. Wenn du ein solches Chaos an deinem Arbeitsplatz und in deinem Kopf wahrnimmst, lass es erst mal einfach nur sein. Du musst es nicht sofort ordnen. Du musst diesen „Kampf“ im Meeting, mit den Kollegen oder den Vorgesetzten nicht gewinnen. Und du musst dich auch nicht perfekt abgrenzen können. Nimm im ersten Schritt zunächst nur wahr, dass da gerade gekämpft wird. Und bemerke deinen reflexartigen Impuls, sofort darauf reagieren zu wollen.
Wenn wir das jetzt mal in eine ganz konkrete Alltagssituation übersetzen, heißt das: Wenn das nächste Mal bei der Arbeit die Fetzen fliegen, Meinungen aufeinanderprallen, du Ungerechtigkeiten bemerkst oder der (zwischenmenschliche) Stress allgemein einfach hochkocht, dann mach innerlich einen Schritt zurück. Stell dir das Stäbe-Chaos bildlich vor (ruf dir das Bild unserer Karte vor Augen). Atme durch und triff die bewusste Entscheidung, dir das Durcheinander einfach nur anzuschauen. Es ist nicht deine (alleinige) Verantwortung, dieses Chaos zu lösen. Jetzt bringt du erst mal für dich etwas Ruhe rein, in dem du dort nicht auch noch mitmischt. Das entlastet dein Nervensystem sofort ein bisschen – sofern du nicht deinen Stab wieder aufnimmst und mit hinderlichen Gedanken dagegen steuerst. Das ist nämlich der erste Schritt, um den Kampf gegen dich selbst („Ich bin zu weich. Ich bin nicht geeignet dafür.“) einzustellen. Denn vor allem das wird dir langfristig dabei helfen, dich von dem äußerem Chaos abzugrenzen.
- Wenn du an das typische Durcheinander in deinem Arbeitsalltag denkst (viele Meinungen, Erwartungen, Aufgaben): In welchen Momenten spürst du den Impuls, dich (innerlich) sofort zu rechtfertigen oder mitzudiskutieren oder anders einzugreifen, um die Situation zu retten?
- Wo in deinem (Arbeits-) Alltag schluckst du Ärger oder Kritik runter, um dem Konflikt auszuweichen, während der Kampf in deinem Kopf dadurch erst richtig losgeht?
- Wie würde es sich anfühlen, bei der nächsten Diskussion oder dem nächsten Erwartungsdruck für einen Moment gedanklich einen Schritt zurückzutreten und dir das Ganze wie ein wildes, fremdes Getümmel anzusehen, das dich gerade gar nichts angeht?
Fazit: Es liegt nicht an deiner Belastbarkeit
Es liegt nicht unbedingt an deiner Belastbarkeit, wenn deine Arbeitstage dich ständig erschöpfen – auch wenn du dir das vielleicht selbst einredest oder von anderen hörst. Wenn du den Blick mal ganz unabhängig von den äußeren Umständen nur auf dich richtest, stößt du vielleicht auf ein bestimmtes Muster: nämlich dass dein Nervensystem mit dem Filtern einfach nicht hinterherkommt. Du scannst unbewusst jeden im Raum. Wer guckt wie? Wer ist gerade genervt? Dein Gehirn muss permanent Daten verarbeiten, die andere gar nicht erst wahrnehmen. Wenn du dazu noch deine eigene Meinung runterschluckst, um bloß keinen Streit anzufangen, und die Situation nachts im Bett stundenlang auseinandernimmst, läuft die Maschine im Hintergrund einfach weiter. Völlig logisch, dass die Energie dann an anderer Stelle fehlt.
Wenn es das nächste Mal zwischenmenschlich stressig wird, probier mal ein winziges Experiment: Mach dich innerlich ein Stück weit los. Du bleibst ganz normal auf deinem Stuhl sitzen, aber du gehst in die Zuschauerrolle. Schau dir das Getümmel der anderen einfach nur an. Lass sie ruhig wirbeln. Du musst dieses Chaos nicht retten. Du musst in diesem Moment überhaupt nichts tun.
Dieses reine Beobachten ist eine Notbremse. Sie sorgt erst mal nur dafür, dass du nicht sofort mitläufst, wenn der Stresspegel im Raum steigt. Langfristig geht es um den Schritt davor: dass dein Körper gar nicht erst die Notbremse ziehen muss.
Je öfter du dich ganz bewusst zurücknimmst und achtsam beobachtest, desto normaler wird dieser innere Filter für dich irgendwann. Du merkst dann mit der Zeit viel früher, wann dir die Reize zu viel werden. Das passiert nicht von heute auf morgen. Das braucht Übung und kostet am Anfang vielleicht auch Kraft und Überwindung. Für den Anfang reicht es völlig, wenn du dir in den nächsten Tagen eine einzige, typische Situation aussuchst. Geh dort für zwei Minuten ganz bewusst in die Zuschauerrolle. Du musst nichts klären, nichts retten und nicht mitmischen. Schau dir das Getümmel einfach nur an.
Das sind nur zwei Minuten, aber sie sorgen dafür, dass du den Kopf wieder über Wasser kriegst. Und nicht mehr ungebremst im Film der anderen mitspielst.
Wenn du per E-Mail über den nächsten Monatsimpuls informiert werden möchtest, trag dich hier für die kostenfreie Menschenfieber-Post ein. Dort machen wir auch regelmäßig gemeinsam kleine Legungen, als eine Art Mini-Check-up.
Möchtest du deine individuelle Situation mit Hilfe der Tarotkarten durchleuchten, um sie besser zu verstehen, nächste Lösungsschritte zu finden und gleichzeitig deine Stresskompetenz und Entscheidungsfähigkeit zu stärken? Dann schau mal hier: Psychologisches Coaching mit Tarot
Foto Titelbild: R_Tee via Canva.com







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