Wir laden uns oft Aufgaben und Emotionen auf, die eigentlich gar nicht zu uns gehören. Und dann merken wir zu spät, wie schwer das Gepäck geworden ist. Dieses unbewusste Funktionieren ist oft eine Schutzmauer, um bloß nicht anzuecken.
In diesem Monatsimpuls geht es darum, solche Lasten kritisch zu hinterfragen, damit du deinen eigenen Wert von der Leistung entkoppeln und dich wieder auf das besinnen kannst, was dich wirklich ausmacht.
Ich nutze Tarot als psychologisches Hilfsmittel, um ein monatliches Abgrenzungsthema mit passenden Reflexionsfragen auszuwählen. Wie du mit dem Monatsimpuls arbeiten und dir auch ein eigenes Bild der Karten machen kannst, habe ich dir in diesem Blogartikel beschrieben.
Inhalt
Die Karten als Grundlage für diesen Impuls
Wenn die eigene Grenze erreicht ist
Die Gewohnheit zu funktionieren
Ein fairer Umgang mit sich selbst
Fazit: Mehr sein, weniger leisten
Die Karten als Grundlage für diesen Impuls
Hier ein Foto der Legung, falls du dir ein eigenes Bild machen oder einfach nachvollziehen möchtest, wie ich auf die aktuellen Impulse komme.
Karte 1 – mittig: 10 der Stäbe
Karte 2 – links: 8 der Münzen
Karte 3 – rechts: Ritter der Kelche
Wenn die eigene Grenze erreicht ist
Unsere erste Karte ist die „10 der Stäbe“. Diese Karte leitet unser Abgrenzungsthema ein und damit auch das Reflexionsthema für diesen Monat.
Wenn du auf die Karte schaust, siehst du eine Figur, die ein schweres Bündel von Stäben trägt. Sie trägt die Stäbe allein, was mich daran denken lässt, wie sehr man sich für die Gefühle und Erwartungen anderer verantwortlich fühlen kann, obwohl man das nicht ist. Man trägt die ganze Last selbst, statt einen Teil der Stäbe dahin zurück zu geben, wo sie hingehören.
Man sieht auf der Karte auch, dass die Stäbe dicht vor dem Gesicht getragen werden. Das heißt, die Figur hat vielleicht auch den Blick für das Wesentliche verloren und sieht nur noch die Last, aber nicht mehr den Weg.
Die „10 der Stäbe“ steht fürs Ausbrennen und damit eher für chronische Überlastung als für akuten Stress. So wie man sie z. B. erleben kann, wenn man dauerhaft zu viel auf sich nimmt und sich dadurch total verausgabt. Das merkt man nicht immer sofort. Man funktioniert eine ganze Weile weiter, zahlt aber dafür einen hohen Preis. Diese Karte ist die zehnte und damit letzte Karte aus der Reihe der Stäbe – wenn man von den Hofkarten absieht. Und das kann man in diesem Zusammenhang gut als einen Endpunkt deuten: Hier ist eine Grenze erreicht. Mehr geht nicht.
Wo fühlst du dich gerade verantwortlich für die Emotionen oder Aufgaben von Menschen, die eigentlich selbst für sich sorgen könnten?
Wovor schützt dich die Last?
(Manchmal halten wir uns so beschäftigt mit den Erwartungen anderer, damit wir uns nicht mit unseren eigenen, vielleicht schmerzhaften, Fragen beschäftigen müssen.)
Was würde passieren, wenn du einige der Stäbe (versehentlich) fallen lässt?
Die Gewohnheit zu funktionieren
Unsere zweite Karte ist die „8 der Münzen“. Diese Karte hilft uns, zur Vorgeschichte zu reflektieren: Was kann dazu führen, dass wir so viel Last auf uns nehmen?
Eigentlich ist diese Karte eine sehr schöne und positive Karte. Im Zusammenhang mit unserem Überlastungsthema zeigt sich hier aber auch mal eine spannende andere Seite.
Der Handwerker auf der Karte prägt sehr konzentriert und ausdauernd eine Münze nach der anderen. Er ist ganz bei der Sache und wirkt fast schon isoliert. Als würde er jede Münze perfekt machen wollen. Wenn wir das auf unser Thema beziehen, könnte die Motivation dahinter sein, anderen keine Angriffsfläche zu bieten. Wenn man alles perfekt macht, kann keiner meckern.
Die Zahl 8, vor allem in liegender Form, symbolisiert stetige Wiederholung. Man tut etwas immer und immer wieder, um Meister darin zu werden. Man hat sich also über lange Zeit darin geübt, nützlich zu sein. Man hat gelernt, Erwartungen zu erfüllen und Aufgaben zu übernehmen. Und am Ende ist man so sehr damit beschäftigt, dass man den Kontakt zu sich selbst und seinen eigentlichen Bedürfnissen verliert.
Die „10 der Stäbe“, unsere Karte 1, ist dann einfach nur die logische Konsequenz aus jahrelanger, perfekter Arbeit an den Bedürfnissen anderer. Die Last wurde also Stück für Stück und aus einer unbewussten Gewohnheit heraus selbst „geschmiedet“. Das macht aber niemand mit Absicht. Und es geht auch nicht um „selbst Schuld“. Sehr oft steckt dahinter ein tiefes Selbstwertthema. Es hat sich einfach als die beste Möglichkeit erwiesen, um dazuzugehören. Wer abliefert und keine Umstände macht, wird nicht kritisiert. Man hat gelernt, dass Anpassung der verlässlichste Weg ist, um akzeptiert zu werden.
In welcher Disziplin bist du (vielleicht ungewollt) zum Meister geworden?
(Bist du z. B. Experte darin, die Stimmung im Raum zu scannen? Oder bist du die Person, die immer die perfekte Lösung parat hat, bevor jemand anderes überhaupt das Problem bemerkt?)
Glaubst du, dass Menschen dich für das schätzen, was du tust, oder für das, was du bist?
Wie oft versuchst du, keine Umstände zu machen und nicht aufzufallen?
(Oft ist das Vermeiden von Aufmerksamkeit anstrengender als die eigentliche Arbeit.)
Ein fairer Umgang mit sich selbst
Unsere dritte Karte ist der „Ritter der Kelche”. Und diese Karte soll uns Handlungsimpulse geben.
Im Gegensatz zu den anderen Rittern im Tarot galoppiert der Ritter der Kelche nicht. Er reitet langsam. Das könnte man jetzt so deuten, dass es hier nicht im eine radikale, schnelle Änderung geht, sondern um ein bewusstes Verlangsamen.
Die Kelche stehen im Tarot für das Element Wasser und damit unter anderem für Emotionen, Intuition und das eigene Innenleben. Wir gehen also weg von der Leistungs- und Ergebniserwartung (Stäbe und Münzen) und hin zum Fühlen. Der Ritter hält den Kelch auch wie ein Geschenk. Bezogen auf gesunde Abgrenzung kann das bedeuten: Bevor ich den Kelch anderen reiche (und mich leer mache), muss ich schauen, was in meinem eigenen Kelch ist. Es geht also um Selbstmitgefühl und das Wahrnehmen der eigenen Bedürfnisse.
Wo hast du dir angewöhnt, hart zu dir selbst zu sein, um die Last, die du trägst, überhaupt auszuhalten? Und wie würde sich dein Alltag verändern, wenn ein fairer Umgang mit dir selbst ein fester Wert in deinem Leben wäre?
Wer wärst du in deinen Beziehungen, wenn du absolut gar nichts mehr für andere tun würdest, sondern einfach nur da wärst? Was bliebe von dir übrig, das immer noch wertvoll ist?
(Das ist vermutlich eine dieser Fragen, die man mal eine Weile mit sich rum tragen sollte, ohne eine Antwort zu erzwingen.)
Wer von den Menschen in deinem Umfeld würde dich auch dann noch schätzen, wenn du aufhörst zu funktionieren?
Welche eine Sache kannst du heute nur für dein Wohlbefinden tun?
(in Ruhe einen Kaffee trinken, 10 Minuten lesen, Fenster auf und atmen …)
Fazit: Mehr sein, weniger leisten
Manchmal schleppen wir Berge von Aufgaben und Erwartungen mit uns rum, die eigentlich gar nicht unsere sind. Einfach, weil wir gelernt haben, dass wir uns so am sichersten fühlen.
Aber dieses perfekte Funktionieren lässt einen schleichend ausbrennen, weil man dabei den Kontakt zu sich selbst verliert. Deswegen: Hör auf zu rennen und fang an zu fühlen. Sei fair zu dir selbst und frag dich öfter: „Muss das wirklich ich machen? Und was brauche ich eigentlich gerade selbst?“
Du musst nicht immer nur leisten. Denn dein Wert als Mensch hängt nicht davon ab, wie viel du für andere erledigst.
Wenn du per E-Mail über den nächsten Monatsimpuls informiert werden möchtest, trag dich hier für die Menschenfieber-Post ein (kostenfrei). Dort machen wir auch regelmäßig gemeinsam kleine Legungen, als eine Art Mini-Check-up.
Möchtest du deine individuelle Situation mit Hilfe der Tarotkarten durchleuchten, um sie besser zu verstehen, nächste Lösungsschritte zu finden und gleichzeitig deine Stresskompetenz und Entscheidungsfähigkeit zu stärken? Dann schau mal hier: Psychologisches Coaching mit Tarot
Hast du Fragen, Gedanken oder Ergänzungen zu diesem Monatsimpuls? Dann kommentiere unten auf dieser Seite, schreib mir hier oder nutze den anonymen Blog-Briefkasten.
Danke für deine Zeit. 🙂
Foto von R_Tee via Canva.com
Tarot von A.E. Waite, Mit freundlicher Genehmigung des Königsfurt-Urania-Verlags
Ich schreibe dir etwa 4x im Monat – immer dann, wenn es Neuigkeiten gibt oder ein neuer Blogartikel online ist. Da ich meine Workshop-Wochen zeitlich und inhaltlich flexibel plane, erfährst du außerdem aktuelle Termine und Themen ausschließlich hier über diesen Weg.
Alle 3 Monate gibt es ein paar zusätzliche Mails, in denen ich dich zu kurzen Reflexionen mit Hilfe der psychologischen Tarot-Arbeit anleite.
Du kannst mir jederzeit auf meine Mails antworten, wenn du deine Gedanken mit mir teilen möchtest. Ich freue mich immer über einen kurzen Austausch.
Die Menschenfieber-Post ist für dich kostenfrei. Möchtest du irgendwann keine Mails mehr bekommen, kannst du dich jederzeit mit nur einem Klick wieder abmelden.
Ich versende die Mails über einen deutschen Newsletter-Anbieter mit hohen Datenschutz-Standards. Mehr Infos dazu findest du in meiner Datenschutzerklärung.
Einfach anfangen: Kleine Schritte für mehr Ruhe & klare Grenzen > als Workshop oder im 1:1 >>> mehr Infos & Anmeldung
Hi, ich bin Anett. Ich unterstütze vor allem introvertierte, sensible und empathische Menschen dabei, sich von Druck und Erwartungen anderer zu befreien, Konflikte wertschätzend zu lösen und Stress zu reduzieren. Hinter den Kulissen immer an meiner Seite: meine beiden Hunde aus dem Tierschutz – Suri und Nanni.
Meine neuesten Blogartikel
Monatsrückblick März 2026: Chaos, volle Tage und kleine Neustarts
Wie voll kann sich ein Monat bitte anfühlen? Ich hab immer noch das Gefühl, dass sich Menschenfieber rundum erneuert. Obwohl man das nach Außen hin vielleicht gar nicht so mitbekommt. Die Hintergrundbaustellen werden immer mehr und immer größer. Wenn das so weitergeht, ist bald von meinen ursprünglichen Entscheidungen und Tools nichts mehr übrig.
Halt finden in stürmischen Zeiten – gesund Abgrenzen bei globalen Krisen und Weltschmerz
Manchmal reicht ein Blick aufs Handy und das Kopfkino geht los. Die Nachrichten fühlen sich dann nicht mehr weit weg an, sondern landen direkt im eigenen Wohnzimmer. Dass dich das so trifft, zeigt vor allem, wie empathisch du bist. Aber wie schafft man es, in dieser Ohnmacht nicht steckenzubleiben?
Berufung finden mit Ikigai und psychologischem Tarot
Wie finde ich meine Berufung? Diese Frage lag in meinem Blog-Briefkasten. „Berufung“ klingt für viele Menschen nach der einen riesigen, lebensverändernden Aufgabe, die man finden muss. Das löst oft eher Stress als Vorfreude aus. In diesem Blogartikel schauen wir uns diesen Mythos mal genauer an. Ich zeige dir außerdem, wie du das japanische Ikigai-Modell nutzen kannst, um deine Talente und Wünsche neu zu sortieren (mit Praxis-Beispiel aus einem meiner Coachings).
Hier kannst du dir den Blogartikel anhören:






Liebe Anett,
dein Blogartikel trifft in jedem Aspekt gerade zu.
Nicht bei mir, sondern einem sehr engen Freund. Ich werde ihm den Beitrag weiterleiten, er steht gerade an genau der Stelle: Erkennen, abgrenzen, fühlen.
Danke für deine so gut verständliche Sicht!
Liebe Grüße
Gabi
Liebe Gabi,
danke für deine Worte und alles Gute an deinen Freund!
Alles Liebe
Anett