Ich bin neulich über einen Satz in einer Mail gestolpert, der früher unbewusst sofort ein altes, ungutes Selbstbild bestätigt hätte. Diesmal war es anders. Ich zeig dir hier mal, wie es aussehen kann, wenn so ein Pieks kommt und man einfach nur beobachtet, was passiert. Es ist immer wieder faszinierend, wenn ich merke, wie das ungute Gefühl von selbst wieder abebbt und gar nicht erst hängen bleibt.
Der Pieks im Posteingang
Ich habe neulich einen Newsletter bekommen. Die Erstellerin schrieb darin, dass sie KI für ihre „nervigen Business-Aufgaben“ nutzt – und dazu zählt sie auch ihren Newsletter.
Mir kam kurz der Gedanke, dass ich, als Leserin, ja dann ein Teil dieser nervigen Aufgabe bin. Das fühlte sich für mich im ersten Moment nicht sehr wertschätzend an.
Früher hätte dieser Satz sofort mein altes Selbstbild gefüttert, in dem ich mich schnell als Last oder „zu viel“ empfunden habe. Oder ich hätte mich über die Kaltheit der Business-Welt geärgert. Beides ist aber nicht passiert. Und deswegen erzähle ich dir jetzt davon. Denn hier habe ich selbst umgesetzt, was wir im Workshop „Einfach anfangen“ üben: Wahrnehmen, was ist, ohne es direkt zu bewerten oder verändern zu müssen.
Selbstwahrnehmung als Reflex
Ich konnte den Gedanken, dass ich Teil dieser Last bin, leicht wieder loslassen und ihn mit einem Schmunzeln betrachten. Ich weiß ja, wie sie es gemeint hat: Sie möchte Zeit sparen für die Dinge, die ihr wichtiger sind. Das ist ihre Entscheidung und völlig legitim.
Statt in meinen alten Film einzusteigen oder über die andere Person zu urteilen, ploppte in meinem Kopf sofort ein “Hä? Moment mal! Was passiert hier gerade?” auf. Das Spannende ist: Ich musste diese Frage nicht bewusst formulieren. Ich hab das so oft geübt, dass es inzwischen in vielen Fällen ganz von allein passiert.
Und dabei hab ich eben gemerkt, wie sich kurz eine alte Grundannahme meldete: „Ich bin unerwünscht.“ Solche tief sitzenden Muster zaubern wir im Coaching übrigens nicht weg. Deine Erfahrungen sind ein Teil von dir. Wir sorgen aber dafür, dass diese hinderlichen Grundannahmen dich nicht mehr lenken. Wir löschen nichts weg, wir deaktivieren sie nur. Es ist alles noch da, aber es hat keine Macht mehr über dich.
In meinem Fall flammte kurz dieses alte Selbstbild und ein entsprechendes Gefühl dazu auf. So schnell, wie es kam, ging es aber auch wieder. Mein Körper macht das, wie schon gesagt, inzwischen oft von allein: Ich stoße auf einen Trigger, mein System reagiert, das alte Stressmuster will hochfahren und im gleichen Moment springt der regulierende Automatismus an und es fährt wieder runter. Das Thema war innerhalb von Sekunden wieder erledigt. Ich hab einfach nur bemerkt, dass da gerade was passiert, und es neugierig beobachtet.
Meine Erkenntnis: Du bist keine Aufgabe auf meiner Liste
Dieser kurze Moment war aber auch aus anderer Hinsicht spannend für mich. Er hat mir wieder gezeigt: Wenn mich die Art, wie ich mit Menschen kommuniziere, selbst nervt, dann lasse ich es lieber.
Wenn ich den Kontakt zu dir oder anderen, die meine Texte lesen, selbst als nervige Aufgabe auf einer To-do-Liste betrachten würde, wäre das für mich einfach nicht stimmig. Es würde sich falsch anfühlen und nicht zu dem passen, was ich unter empathischer Abgrenzung verstehe.
Abgrenzung bedeutet für mich auch, die eigenen Wege so zu wählen, dass sie sich möglichst nicht nach Last anfühlen. Ich schreibe meine Newsletter und Beiträge, weil ich es gerne mache und weil ich den Austausch mag, der daraus manchmal entsteht. Und genau so soll es bleiben.
Fazit: Kurzer Check statt alter Stress
Am Ende geht es bei „Einfach anfangen“ genau darum, den alten Automatismus zu unterbrechen, bevor er dich in den Stress zieht.
Du nimmst wahr, wenn dich etwas von außen piekst – wie dieser Satz im Newsletter. Statt den Impuls sofort wegzudrücken oder automatisch zu reagieren, spürst du kurz nach: Was macht das gerade mit mir? Und dann entscheidest du bewusst, wie du handeln willst, damit es sich für dich wieder stimmig anfühlt.
Genau dieses Sortieren schauen wir uns im Workshop Schritt für Schritt gemeinsam an, damit du deine Reaktionen im Alltag frühzeitig erkennst und für dich klärst. Wenn du dabei Unterstützung möchtest, findest du hier alle Infos: zum Workshop
Foto Titelbild: Karola G von Pexels via Canva.com







Liebe Anett,
danke für deinen Artikel, der sehr gut herausgearbeitet hat, dass wir „Empfänger“ einer Nachricht oder eines Kontakts jederzeit die Wahl nutzen sollten: Selbst zu entscheiden, WIE oder ob überhaupt wir reagieren.
Das sich Bewußtmachen, was automatisch in uns angestoßen wird, ist der erste Schritt.
Deine Erinnerung daran ist wertvoll für mich.
Viele Grüße
Gabi
Liebe Gabi,
herzlichen Dank für deine Zeit und deine Worte.
Ich finde solche Momente immer total spannend. Schon faszinierend, was da so allen an Grundannahmen in einem schlummert.
Aber auch aus Sicht des (harmoniebedürftigen) Senders ist es wichtig: Ich kann nicht verhindern, missverstanden zu werden. Ich kann immer anecken, mit dem was ich sage. Egal, wie vorsichtig ich bin. Ich kenne die unbewussten Grundannahmen meiner Mitmenschen nicht. Wir kennen ja oft nicht mal unsere eigenen. Allein das zu wissen, kann oft schon reichen.
Dieses Thema wird einfach nicht langweilig 😀
Alles Liebe
Anett