positiver und negativer Stress_Wo ist der Unterschied und warum brauchen wir beides

„Stress muss bekämpft werden. Gegen Stress musst du vorgehen. Egal wie, aber der Stress muss weg!“

Ähm, nein! Stress musst du nicht bekämpfen. Und vielleicht spürst du schon allein beim Lesen, wie dieses „Der Stress muss weg!“ direkt weiteren Stress auslöst.

Stress hat einen Sinn! Und ich möchte dir jetzt zeigen, welcher das ist, was der Unterschied zwischen positivem und negativem Stress ist und wie du mit Stress umgehen kannst.

Zunächst einmal: Beide Arten von Stress geben dir Energie und sorgen dafür, dass du dich auf DIE EINE wichtige Sache fokussieren kannst (denn du musst bzw. möchtest ja auf irgendetwas Bestimmtes schnell reagieren).

Woran erkenne ich negativen Stress und wozu brauchen wir ihn?

Negativer Stress drückt die Stimmung. Du handelst nicht aus der Freude heraus, sondern aus der Angst.

Negativer Stress entsteht, weil der Körper eine Bedrohung wahrnimmt, auf die schnell reagiert werden muss. Stress ist also ein überlebenswichtiger Schutzmechanismus.

Du entscheidest blitzschnell, ob du fliehst, angreifst oder dich „totstellst“. Du bist in diesem Ausnahmezustand zu Höchstleistungen in der Lage. Nimmt der Stress Überhand und kann nicht abgebaut werden, sorgt er auch dafür, dass du Dinge vergisst (Verdrängung, Trauma).

(Hier habe ich übrigens etwas genauer beschrieben, wie welche Botenstoffe in unserem Nervensystem wirken und warum.)

Was ist so schlimm an negativem Stress?

Warum ist eine gedrückte Stimmung und ein ständiges Handeln aus der Angst heraus jetzt eher ungünstig?

Ganz einfach: Dieser Moment kreiert den nächsten Moment. Handelst du jetzt aus Angst, erschaffst du dir damit neue Momente der Angst. Du sagst damit deinem Gehirn „Angst ist wichtig und Angst ist richtig“. Auch dann, wenn die Angst vielleicht gar nicht berechtigt ist. Dein Gehirn hinterfragt das nicht. Es macht nur das, was du ihm sagst und bestätigt dir damit immer wieder „Ja, du musst Angst haben. Ja, du musst Stress haben.“. Und je öfter wir etwas erleben, desto gefestigter ist es. Denke doch nur mal an eine schlechte Gewohnheit, die du einfach nicht loswerden kannst – dasselbe Prinzip.

Kreierst du dir immer wieder und über längere Zeit solche Angst-Momente, wird es irgendwann für dich normal sein. Du wirst kaum noch wissen, dass es sich auch anders anfühlen kann. Folglich wirst du daran kaum etwas ändern. Ständiger negativer und nicht vollständig abgebauter Stress führt wiederum irgendwann zu körperlichen Beschwerden oder gar zu schwerwiegenden Erkrankungen. 

Stress im Alltag

Stress ist aber nicht nur für das Überleben notwendig, sondern auch, damit wir unseren alltäglichen Verpflichtungen nachkommen können (was im weiteren Sinn ja dann doch dem Überleben dient). Deadlines und Erwartungen versetzen uns in Stress. Wir sind dadurch (meist) in der Lage dazu, gute Arbeit zu leisten. Ganz entscheidend ist hier aber, dass unser Stress-Level nicht zu hoch und nicht zu niedrig ist, und dass es regelmäßige Ausgleichsphasen gibt. Ob dieser Stress negativ oder positiv ist, hängt davon ab, was wir tun und wie unsere Einstellung dem gegenüber ist.

Woran erkenne ich positiven Stress und wozu brauchen wir ihn?

Positiver Stress versetzt uns in einen Zustand der Euphorie. Wir sind aufgeregt, wir freuen uns. Vielleicht, weil wir eine tolle Idee hatten, die wir unbedingt umsetzen wollen. Oder weil ein besonders Ereignis bevorsteht (z.B. ein erstes Date). Durch positiven Stress erfahren wir einen großen inneren Antrieb. Wir tun etwas mit ganz viel Hingabe, weil wir es unbedingt tun wollen. Wir ziehen durch. Wir vergessen zu essen, weil wir keinen Hunger spüren. Wir wollen abends nicht ins Bett, weil wir noch nicht fertig sind. Wir WOLLEN, wir müssen nicht.

Wenn wir es schaffen, auch hier auf unseren Körper zu hören, brauchen wir nicht befürchten, dass wir die Chance zum Ausgleich verpassen. Der Körper sendet uns permanent Signale. Wir müssen nur zuhören. Sonst geht es hier natürlich auch mal ganz schnell, dass der Stress länger auf einem oberen Level bleibt, als es gesund für uns ist.

Die körperlichen Symptome von Stress

Was ich ganz lange nicht wusste, was aber jeder wissen sollte: Euphorie löst die gleichen körperlichen Symptome aus wie Angst. Lediglich das Gefühl dahinter ist ein anderes. Und dieses Gefühl entscheidet darüber, welchen Moment wir als nächstes kreieren. Und dieser Moment entscheidet darüber, welche Momente wir in Zukunft erleben werden.

Die Stress-Emotion erkennen und umwandeln

Um aus Angst-Momenten einfach „nur“ aufregende Momente zu machen (und damit bessere zukünftige Momente zu erschaffen), ist ein erster Schritt, die Gedanken zu diesem Moment ändern.

Ein Beispiel: Nehmen wir doch wieder das erste Date. Für manche ein riesen Spaß mit viel Vorfreude. Für andere das absolute Grauen.
In beiden Fällen kann es zu Herzrasen, Zittern, Schwitzen und allgemeiner Nervosität kommen. Und entweder sagst du „Mensch, ist das spannend!“ oder du sagst „Scheiße, hab ich eine Angst!“.

Erkennst du einen Unterschied im Gefühl, wenn du die beiden Sätze sagst? Körperlich passiert genau dasselbe. Aber was passiert mit der Emotion dahinter. Probiere es mal aus.

Solltest du allerdings in Situationen festhängen, die dir einfach nicht entsprechen, wird es schwierig werden mit dem Umwandeln. Manche Situationen müssen einfach verändert oder gar verlassen werden. Die Einstellung ändern allein reicht nicht. Ebenso reicht es nie, nur die äußeren Umstände zu ändern. Beides wirkt immer zusammen.

Und nun?

Jetzt prüfe doch mal, was das mit dir macht, wenn du deine Aufmerksamkeit ständig auf die Angst legst.

Und was macht es im Gegenzug mit dir, wenn du deine Aufmerksamkeit (fast) ausschließlich auf die Freude legst?

Du programmierst im ersten Fall dein Gehirn auf das Erkennen von Gefahr. Du siehst überall Gefahr und bist nicht oder nur wenig empfänglich für die schönen Dinge im Leben, für die Möglichkeiten. Du kannst sie einfach nicht sehen, weil du Scheuklappen trägst. Das ist Stillstand.

Im zweiten Fall programmierst du dein Gehirn auf das Erkennen der Freude. Du nimmst die schönen Dinge viel eher wahr, du bekommst neue Ideen, du siehst Chancen ohne Ende.

Und genau so kreierst du dir dein Leben. Du erschaffst eine Aneinanderreihung von Momenten. (Du erinnerst dich? Dieser Moment kreiert den nächsten Moment usw.)

Und du hast die Wahl, ob das überwiegend Momente des Ärgers und der Angst sind oder Momente der Freude und des Vertrauens. Achte darauf, wo dein Fokus liegt.

Es ist übrigens total normal, dass wir immer zuerst das Negative und die Bedrohung sehen. Das heißt, du wirst nie nur Freude empfinden und unnötigen negativen Stress für immer verabschieden. Das soll auch gar nicht das Ziel sein. Das Ziel ist, dass du bewusst mit Stress umgehst, indem du deine Aufmerksamkeit immer wieder bewusst umlenkst.

Ausgleich zum Stress brauchst du immer – egal, ob der positiv oder negativ ist. Nach einer Hochphase solltest du unbedingt dafür sorgen, dass sich die Stresshormone wieder abbauen können. Das geht am besten durch Bewegung. Sorge nach dem Abbau noch für etwas Ruhe und der nächste aufregende Moment kann kommen 😉

Wie lange eine Hochphase dauern kann und wie viel Ausgleich es danach braucht ist bei jedem Menschen und in jeder Situation unterschiedlich.

Für eine gesunde Stressbewältigung ist es wichtig, dass du dich empathisch abgrenzen kannst. Das kannst du, indem du (wieder) lernst, auf dich und deinen Körper zu hören und deiner Wahrnehmung zu vertrauen. Falls du mehr über die Wirkung von (emotionalen) Stress lernen möchtest und aus deinem ganz individuellen Stress-Kreislauf aussteigen willst, komm gern zum nächsten Basis-Workshop.

Hast du öfter positiven oder negativen Stress?

Was ist in dir zur Zeit besonders aktiv? Positiver oder negativer Stress? Und wie sorgst du für Ausgleich? Hast du Fragen zum Thema? Hinterlasse doch einen Kommentar oder schreibe mir eine Nachricht.

Foto von Sebastian Voortman von Pexels

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Anett Enderlein

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