Kaum ist eine Baustelle im Alltag halbwegs gelöst, rollt schon die nächste Welle an. Man funktioniert, hetzt von Termin zu To-do und arbeitet auf diesen einen Moment hin, in dem endlich alles überstanden ist, der Druck abfällt und wieder Ruhe einkehrt.
Auf meinem Hobby-Blog habe ich neulich darüber geschrieben, wie ich mit solchen Momenten umgehe. Hier kannst du den Artikel lesen.
Und weil es natürlich auch ein Menschenfieber-Thema ist, möchte ich genau diese Erfahrung hier einmal für dich auseinandernehmen. Denn hinter dem alltäglichen Stress und dem Hoffen auf ruhigere Zeiten stecken psychologische Mechanismen, die wir verändern können, sobald wir sie durchschauen.
Inhalt
Noch mehr Stress durch ständigen Widerstand
Der Wendepunkt: Radikale Akzeptanz
Perspektivwechsel: Den Alltag neu sehen
Das Warten auf das „Danach“
Solche stressigen und chaotischen Phasen, sind ja meist nicht von jetzt auf gleich da – auch wenn es sich rückblickend oft so anfühlt. Es fängt mit einer blöden Situation an, gleich darauf kommt die nächste. Dann hat man vielleicht mal einen kurzen Moment Normalität und macht gedanklich schon einen Haken dahinter und dann folgt wieder eine. Und noch eine. Und so stapeln sich die Ereignisse über Wochen oder Monate und erdrücken einen irgendwann fast. Als hätte man eine ausgewachsene Pechsträhne.
So ging es mir in den letzten Monaten auch. Und ich hab mich am Anfang noch nach dem „Danach“ ausgerichtet. Ich hab mich gefragt: „Wann habe ich eigentlich meinen normalen Alltag zurück?“ Und es kamen Gedanken, wie: „Wenn diese stressige Phase rum ist, dann kann ich endlich mal wieder durchatmen und auch mal wieder meinen Hobbys nachgehen.“
Das Problem dabei: Wir verlegen unser eigentliches Leben in eine ungewisse Zukunft. Wir behandeln das Hier und Jetzt wie einen nervigen Übergangszustand, den wir einfach nur schnell hinter uns lassen wollen.
Hier ist es wichtig, dass wir uns selbst stoppen können. Oder dass wir jemanden oder etwas haben, das uns stoppt. In meinem Fall hat mich ein Buch darauf aufmerksam gemacht, dass ich mich in einen Strudel habe reinziehen lassen. In der Geschichte haben sich gerade zwei Figuren unterhalten und eine sagte zur anderen: „Wie kommst du darauf, dass das vorbei geht?“ Ich bin an dieser Stelle hängengeblieben und hab mich daran erinnert, dass ich jederzeit aussteigen kann. Mir wurde wieder bewusst, dass das Leben nicht aus Pausen zwischen den Krisen besteht. Stattdessen sind die Krisen und unerwarteten Wendungen ein Teil des Lebens. Ob wir wollen oder nicht. Wenn wir auf den Moment warten, in dem plötzlich alles glattläuft, warten wir vielleicht vergeblich – und verausgaben uns dabei völlig.
Es ist übrigens ganz normal, dass man sowas im Grunde schon weiß und es dann trotzdem irgendwann einfach gerade nicht mehr auf dem Schirm hat. Es sind gar nicht immer neue Erkenntnisse, die uns dann helfen. Meistens erinnern wir uns nur an die, die wir schon mal hatten. Deswegen braucht es auch nicht unbedingt neue Methoden, die du erst lernen musst, damit du deinen Stress auf die Reihe bekommst. Ganz vieles ist schon da und muss einfach nur noch mal vor geholt werden. Und dann ist weniger auch oft mehr.
Noch mehr Stress durch ständigen Widerstand
Wenn wir ständig erwarten, dass der Alltag endlich wieder ruhiger werden muss, kämpfen wir gegen die aktuelle Realität an. Dieser innere Widerstand kostet enorm viel Kraft.
Wissenschaftlich gesehen entsteht der meiste emotionale Stress auch gar nicht durch die äußeren Umstände an sich. Er entsteht vor allem durch die Reibung zwischen Erwartung (wie es sein sollte) und Realität (wie es ist). Und wenn wir permanent gegen den Strom ankämpfen, ist es nur logisch, dass wir dann abends völlig erschöpft ins Bett fallen.
Der Wendepunkt: Radikale Akzeptanz
Aus dieser Erschöpfung heraus gibt es eigentlich nur einen Weg, und der tut im ersten Moment vielleicht ein bisschen weh: Radikale Akzeptanz.
Bezogen auf meine Frage, wann ich endlich meinen normalen Alltag zurück habe, ist die Antwort: „Das hier ist momentan mein normaler Alltag. Es ist, wie es ist. Punkt.“
Radikale Akzeptanz heißt aber nicht, dass man das alles super findet, resigniert oder aufgibt. Es heißt nur, dass man den Widerstand aufgibt. Man hört auf, mit dem Kopf gegen die Wand zu schlagen und sagt sich: „Okay, das ist jetzt so, wie es gerade ist.“
Perspektivwechsel: Den Alltag neu sehen
Sobald dieser innere Kampf aufhört, sackt die Anspannung in einem ab. Es wird dadurch nicht alles leichter. Die Herausforderungen sind trotzdem noch da. Aber der Umgang damit ändert sich. Wenn du die Erwartung loslässt, fällt dieser ganze mentale Ballast von dir ab und du kannst die Perspektive ändern: Statt den aktuellen Zustand als Fehler zu werten – oder an deiner Belastbarkeit zu zweifeln –, nimmst du ihn als den Rahmen an, der jetzt nun mal da ist und innerhalb dessen du dich erst mal bewegst.
Du wirst merken, dass du allein dadurch wieder Luft zum Atmen hast und auch ein bisschen was von der Ruhe findest, die du vorher im „Danach“ gesucht hast.
Wenn das Aufgeben des Widerstands schwerfällt
Jetzt hast du das alles vielleicht schon mal gehört, findest das auch logisch, aber bekommst es einfach nicht hin, den Widerstand aufzugeben. Das liegt daran, dass unser Nervensystem in stressigen Phasen auf schnelles Überleben (Kampf oder Flucht) gepolt ist. Wenn alles drunter und drüber geht, schaltet das rationales Gehirn auf Autopilot. Der Körper will dann den Zustand so schnell wie möglich beenden, weil er den Stress als akute Bedrohung sieht. Sich dann hinzusetzen und zu sagen „Das ist jetzt eben so“ fühlt sich für ein überfordertes Nervensystem im ersten Moment nicht nach Entlastung an, sondern nach Kontrollverlust, weil man sich dem Ganzen dann vielleicht erst mal ausgeliefert fühlt.
Das ist ganz normal. Und das ist auch der Punkt, an dem man automatisch versucht, das Problem mit noch mehr Nachdenken oder noch mehr Tun zu lösen. Der erste Schritt liegt in dem Fall aber tatsächlich darin, das Aufgeben des Widerstands nicht zu erzwingen. Du musst ihn nicht auflösen. Das ist dann in dem Fall dein Ist-Zustand, den du versuchst, radikal zu akzeptieren.
Ein winziger Schritt reicht für den Anfang: Lass die Schultern sinken, atme einmal tief aus und hör auf, nach einer sofortigen Lösung zu suchen. Du musst den Stress und den Widerstand nicht wegmachen. Es reicht völlig, für zehn Sekunden zu akzeptieren, dass es gerade anstrengend ist. Du setzt immer da an, wo du gerade stehst.
Fazit: Im Ist-Zustand ansetzen
Wenn es beim nächsten Mal drunter und drüber geht, versuche kurz innezuhalten.
Fiebere nicht darauf hin, dass der Spuk endlich vorbei geht. Frage dich stattdessen: Was ist, wenn genau das hier gerade mein normaler Alltag ist?
Lass die Schultern sinken, atme einmal tief aus und hör auf, nach einer sofortigen Lösung zu suchen. Du musst diesen Zustand nicht mit Gewalt wegmachen. Es reicht völlig, für ein paar Sekunden hinzunehmen, dass es gerade so ist, wie es ist. Egal wie anstrengend es ist.
Sobald du aufhörst, gegen die Realität zu kämpfen und den Ist-Zustand einfach da sein lässt, lässt der Druck nach. Die Dinge bleiben vielleicht stressig, aber du hörst auf, dich selbst so unter Druck zu setzen. Du setzt immer in dem Ist-Zustand an, in dem du dich gerade befindest.
Es ist, wie es ist. Und es wird das, was du daraus machst.
Wenn du nicht weißt, wie und wo du anfangen sollst, schau dir mal meinen Workshop „Einfach anfangen: Kleine Schritte für mehr Ruhe & klare Grenzen” an. Dort gehen wir es gemeinsam an.
Foto Titelbild: Nathan Cowley von Pexels via Canva.com







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