Du machst die App auf und der eigene Social-Media-Feed fühlt sich sofort an wie ein völlig überfüllter Raum, in dem alle durcheinanderreden. Jedes Bild, jede Meinung, jede Story zieht Energie. Vor allem, wenn man sich dann noch überlegt, was man Nettes antworten könnte. Das macht im Kopf einfach nur müde.
In diesem Monatsimpuls schauen wir uns die Reizüberflutung im Social-Media-Feed genauer an – und warum uns dieses ständige Mitlesen und Mitschauen oft viel mehr Kraft kostet, als wir eigentlich merken.
Ich nutze Tarot als psychologisches Hilfsmittel, um ein monatliches Abgrenzungsthema mit passenden Reflexionsfragen auszuwählen. Wie du mit dem Monatsimpuls arbeiten und dir auch ein eigenes Bild der Karten machen kannst, habe ich dir in diesem Blogartikel beschrieben.
Inhalt
Die Karten als Grundlage für diesen Impuls
Der unbemerkte Stress beim Scrollen
Das Missverständnis mit dem digitalen Halt
Die Karten als Grundlage für diesen Impuls
Hier ein Foto der Legung, falls du dir ein eigenes Bild machen oder einfach nachvollziehen möchtest, wie ich auf die aktuellen Impulse komme.

Karte 2 – links: 4 der Stäbe
Karte 3 – rechts: 6 der Kelche
Der unbemerkte Stress beim Scrollen
Unsere erste Karte, die „2 der Münzen“ leitet unser Abgrenzungsthema ein.
Du siehst auf der Karte eine Figur, die mit zwei Münzen jongliert und dabei ständig in Bewegung ist. Und irgendwie muss ich dabei gerade an Social Media denken: Ständig neue Reize, wechselnde Meinungen … ein endloser Feed. Und man versucht, die Balance zu halten zwischen „Ich bleibe informiert und verbunden“ und „Ich verliere mich selbst“.
Auch das unruhige Meer im Hintergrund spiegelt das wider. Wasser steht im Tarot unter anderem für die Emotionen und für das Unbewusste. Das ständige oder längere Konsumieren von Inhalten sorgt für ein unterschwelliges Rauschen. Und oft bemerkt man das gar nicht direkt. Man jongliert weiter, während der Stresspegel immer mehr ansteigt. Das Jonglieren braucht ja auch eine ständige Konzentration. Das ist im Grunde harte Arbeit. Und jetzt überlege mal, wie viele Menschen schon reflexartig zu Handy greifen, wenn sie eigentlich entspannen wollen. Die Angst, was zu verpassen spielt da bestimmt auch mit rein.
Die liegende Acht auf der Karte, die für den ewigen Kreislauf steht, passt hier auch perfekt: Es hört nie auf. Ein Beitrag folgt auf den nächsten, ein Impuls jagt den anderen. Es gibt kein natürliches Ende im Feed. Keinen Punkt, an dem man fertig ist. Unser Gehirn ist aber für dieses endlose Jonglieren gar nicht gebaut.
- Wenn du das nächste Mal durch den Feed scrollst, frage dich: Was jongliere ich da eigentlich gerade? Welche Vielfalt an Themen nehme ich gerade auf? Und warum mache ich das eigentlich gerade?
- Inwiefern fühlt sich dieses permanente Reagieren auf digitale Reize im Moment vertraut an – auch außerhalb von Social Media?
(Wer digital jeden Ball auffängt, tut das oft auch im echten Leben bei den Erwartungen anderer Menschen.) - Woran könntest du erkennen, dass dein Stresspegel während des Social-Media-Konsums ansteigt?
(Achte hier auf körperliche Anzeichen wie allgemeine Erschöpfung, leichtes Druckgefühl/Enge im Brustkorb, flacher Atem, starrer Blick …)
Das Missverständnis mit dem digitalen Halt
Unsere zweite Karte ist die „4 der Stäbe“. Diese Karte lässt uns etwas über die Vorgeschichte herleiten.
Darauf sind vier feste Stäbe zu sehen, die eine stabile Struktur bilden. Und Menschen, die davor feiern. Das Bild vermittelt Ankommen, Freude und Gemeinschaft. Gerade für Menschen, deren sozialer Akku im Alltag schnell leerläuft, können digitale Räume verlockend sein: Man kann dosiert und ohne die unmittelbare körperliche Anwesenheit anderer andocken und teilhaben.
Bezogen auf eine mögliche Vorgeschichte, kann es bedeuten, dass man einfach nur ein stabiles und nährendes Netzwerk gesucht hat. Die vier Stäbe stehen ja für Struktur und Halt. Und wenn man sich innerlich instabil fühlt, neigt man dazu sich diesen Halt im Außen zu suchen, z. B. auf Social Media. Jedes Like, jeder zustimmende Kommentar, jede geteilte Meinung im eigenen Feed kann sich dann im ersten Moment wie ein stützender Stab anfühlen.
Aber: Eine solche Stabilität bei Social Media ist eine Illusion. Der Algorithmus ist nicht stabil, er verändert sich ständig. Die Feeds stehen niemals still. Um das Gefühl der Zugehörigkeit und den vermeintlichen Halt nicht zu verlieren, müsste man anfangen, sich ununterbrochen anzupassen. Die Stäbe, die eigentlich fest in der Erde stecken sollten, werden dann zu den Münzen, die man in der Luft halten und jonglieren muss.
- Mit welchem Wunsch oder welcher Hoffnung hast du damals angefangen, bestimmten Accounts zu folgen oder dich auf Social Media anzumelden?
- Ab welchem Punkt hat sich das Gefühl von „Hier hole ich mir gute Impulse“ oder „Hier halte ich den Kontakt“ gewandelt in „Hier muss ich mithalten bzw. das darf ich nicht verpassen, um dazuzugehören“?
- Welche Regeln glaubst du dort befolgen zu müssen, um ein wertvoller Teil dieser digitalen Gemeinschaft zu sein?
Zurück zur analogen Langsamkeit
Unsere dritte Karte ist die „6 der Kelche“. Sie spiegelt uns Handlungsimpulse.
Mir ist direkt aufgefallen, dass sich die römischen Zahlen der beiden äußeren Karten spiegeln. Die römische 4 und die römische 6 rahmen unsere aktuelle Situation ein. Sie bilden links und rechts zwei stabile Pole. Mein erster Gedanke dazu war: Wenn dieser Rahmen im echten Leben steht, muss man nicht zwingend auf Social Media verzichten, um mental gesund zu bleiben. Die Dosis macht das Gift. Und wenn man für einen natürlichen Ausgleich sorgt, kann das genau den stabilen Rahmen bieten, den man sucht.
Wo die „4 der Stäbe“ für Struktur, Schutz und Zugehörigkeit steht, steht die „6 der Kelche“ für das Gefühl von emotionaler Sicherheit, Nostalgie, Vertrautheit und das innere Kind. Auf der Karte sind Mauern zu sehen, die einen ganz klassischen analogen Schutz bieten. Das heißt: Es braucht ab und an einfach den Rückzug in Räume, die digital-frei sind. Die Kelche mit den Blumen wirken auf mich schön und beruhigend. Also könnte es hier auch darum gehen, das aus Social Media herauszufiltern, was wirklich guttut und Freude macht.
Da diese Karte für das innere Kind steht, können wir auch mal aus der Perspektive eines Kindes auf den Handlungsimpuls schauen: Kleinere Kinder hängen bestenfalls nicht am Handy. Sie sind ganz im Moment und spielen. Wenn man nicht auf Social Media verzichten möchte, könnte man daraus ableiten, den Konsum radikal zu vereinfachen und sich selbst wieder auf analoge Langsamkeit herunterzufahren.
- Wie fühlt es sich an, wenn du Accounts nur danach aussuchst, ob sie dir jetzt gerade guttun – und nicht danach, was du noch alles lernen oder wissen „musst“?
- Was hast du früher eigentlich total gern gemacht, bevor das Smartphone so viel Platz in deinem Leben eingenommen hat?
- Wo in deiner Wohnung oder deinem Alltag merkst du, dass du mal durchatmen kannst, ohne direkt zum Handy zu greifen?
Fazit: Digitaler Rückzug ohne schlechtes Gewissen
Wenn wir Social Media öffnen, fühlt sich das im ersten Moment oft nach einer kurzen Pause an. Für unser Nervensystem ist das ständige Scrollen aber harte Arbeit. Im endlosen Feed prasseln ununterbrochen neue Reize und Meinungen auf uns ein. Wir versuchen dann unbewusst, all diese Bälle gleichzeitig in der Luft zu halten, um informiert zu bleiben und bloß nichts zu verpassen. Dabei entsteht ein unterschwelliges Rauschen, das wir im Alltag oft erst bemerken, wenn die Luft eigentlich schon raus ist. Unser Gehirn ist für diese dauerhafte digitale Reizflut einfach nicht gemacht.
Der Grund, warum wir überhaupt auf diesen Plattformen landen, ist dabei aber völlig gesund: Wir suchen nach einem ruhigen Ort, nach etwas Struktur und Menschen, die uns verstehen. Gerade wenn der soziale Akku im analogen Leben schnell leer ist, tut es gut, digital ganz dosiert und ohne Druck auf Augenhöhe dabei zu sein. Der Knackpunkt ist nur: Social Media kann diesen Halt, den wir suchen, gar nicht bieten. Weil der Algorithmus sich ständig ändert und Feeds niemals stillstehen. Dadurch geraten wir unbemerkt in eine Dauerschleife. Wir fangen dann an, uns pausenlos anzupassen. Nur um die Verbindung und den mühsam aufgebauten Halt nicht wieder zu verlieren.
Du musst dein Smartphone jetzt nicht direkt in die Ecke werfen, um mal wieder durchzuatmen. Es geht eigentlich nur um das richtige Maß. Du entlastest dich schon, wenn du das Ganze im Alltag radikal vereinfachst. Das merkst du oft schon an den ganz kleinen Entscheidungen: Du kannst z. B. Accounts danach aussuchen, ob sie dir im jetzigen Moment einfach guttun. Du musst nicht bei jedem emotionalen Post hängenbleiben und dir im Kopf eine liebe Antwort überlegen, nur um zu zeigen, dass du da bist. Du darfst einfach weiterscrollen oder das Handy weglegen. Vor allem, wenn die Beiträge dir eigentlich eher das Gefühl geben, dass du dich ständig optimieren musst. Es reicht schon, wenn du dir am Tag ein paar feste Zeiten ohne Handy einplanst. Einfach, um mal wieder ein bisschen Ruhe im Kopf zu haben und überhaupt zu merken, was du selbst gerade eigentlich brauchst.
Wenn du per E-Mail über den nächsten Monatsimpuls informiert werden möchtest, trag dich hier für die kostenfreie Menschenfieber-Post ein. Dort machen wir auch regelmäßig gemeinsam kleine Legungen, als eine Art Mini-Check-up.
Möchtest du deine individuelle Situation mit Hilfe der Tarotkarten durchleuchten, um sie besser zu verstehen, nächste Lösungsschritte zu finden und gleichzeitig deine Stresskompetenz und Entscheidungsfähigkeit zu stärken? Dann schau mal hier: Psychologisches Coaching mit Tarot
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Foto Titelbild: R_Tee via Canva.com







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